Vorführungen:

  • Do, 13. Dezember 2018 um 21:15 Uhr

Vorstellung in Anwesenheit des Regisseurs + Filmgespräch im Anschluss. Regulärer Eintritt: 7 Euro / 6 Euro emäßigt. 

Paul Zeise (Sebastian Rudolph) lässt eines Tages nach und alles zurück: Frau, Beruf, die gesamte bürgerliche Existenz. Fortan gondelt er als freundlicher Taugenichts, Schnorrer und Hochstapler durchs Land. Ungebeten setzt er sich in das Auto eines Friedhofsgärtners (Henning Peker), ebenso ungebeten taucht er auf Partys, Beerdigungen und bei dem Kunstmäzen Silbermann (Hanns Zischler) auf, macht gemeinsame Sache mit einer dementen Großmutter (Monika Lennartz) und versetzt  eine Kleinfamilie (Eva Löbau & Niels Bormann) in Angst und Schrecken, weil er sich schamlos in deren Leben drängt. Von einem Studenten (Eike Weinreich) nach Polen mitgenommen, irrt er dort als Wohnungsloser durch die Straßen, zieht zwischenzeitlich ins Krankenhaus ein und verliebt sich schließlich in die lebenswirre Nele (Lilith Stangenberg), die ihn hineinzieht in ihr abenteuerliches Leben.

So beschreibt Regisseur Julian Pörksen die Reise seines Hauptcharakters in Worten: „Paul Zeise bricht auf in eine ungewisse Zukunft. Er lässt alles zurück, sein bürgerliches Dasein, seine Beziehung, sein Haus, seinen Beruf, er tauscht Sicherheit, Geborgenheit, Bindung gegen ein Leben im Offenen. Damit verkörpert er einen radikalen Gegenentwurf zu den Normen unserer Gesellschaft. Er ist selbstbestimmt, indem er sich treiben lässt, er hat keinen Lebensentwurf, er wirft sich ins Leben, setzt sich aufs Spiel, spielt mit Versionen seiner selbst, setzt sich dem Zufall aus, den Menschen, die ihm über den Weg laufen.Verantwortung übernimmt er nur gegenüber dem Moment, dem Augenblick, der Gegenwart – und lebt damit nach der programmatischen (und titelgebenden) Äußerung von John Cage: „I welcome whatever happens next“.

Seine bindungslose, radikal freie Lebensweise ist ebenso provozierend wie faszinierend für seine Mitmenschen. Sie sind von ihm angezogen, abgestoßen und inspiriert, stellen ihn in Frage, befragen sich selbst. Sehen in ihm einen Hochstapler und Schmarotzer, Philosophen und Verführer, Betrüger und Taugenichts, je nach Einstellung, nach Erfahrungs- und Sehnsuchtshorizont der Figur. Ziel ist es, dieses Oszillieren der Sichtweisen (von der verständlichen Bewunderung des Studenten bis zum ebenso verständlichen Schmerz seiner verlassenen Frau) plausibel zu machen und mit der Figur Paul Zeise eine lebensphilosophische Frage in ihrer ganzen Ambivalenz ins Zentrum des Films zu rücken und möglichst unterhaltsam zu fragen: Wie wollen wir leben?

Auch Paul selbst gerät im Lauf des Films zunehmend in die Krise, die anfängliche Leichtigkeit, mit der er von Begegnung zu Begegnung surft, kommt ihm zusehends abhanden. In Polen gerät er gänzlich aus der Bahn, lebt auf der Straße, freundet sich mit einem Komapatienten an, ist in dieser Figur des einsam Sterbenden mit seinen eigenen Zukunftsaussichten konfrontiert, begegnet in der traumartigen Atmosphäre des Krankenhauses einem merkwürdigen Jungen (sich selbst?), zieht wieder weiter, um sich von der unbehausten, sprunghaften Nele zur Weiterreise verführen zu lassen, mit ihr in glückliche Tage in einer fremden Wohnung, in fremder Kleidung verbringt, zum ersten Mal von einer Zukunft träumt – um schließlich wieder ganz auf sich gestellt zu sein.

Einerseits ist Whatever Happens Next also die Geschichte von Paul Zeise. Andererseits ist der Film ein Streifzug durch unsere Gesellschaft, ein zielloses Roadmovie, das ein Mosaik aus Lebensgeschichten und Begegnungen entwirft, aus absurden, traurigen, sehnsuchtsvollen Miniaturen, vom krebskranken Kunstmäzen bis hin zur dementen Großmütter, vom zärtlichen Kleinkriminellen bis hin zum unbeholfenen Privatermittler Klinger, der sich in seine Auftraggeberin verliebt. Verloren sind sie alle, irgendwo. Freiwillig und unfreiwillig.“