1982 Neunzehnhundertzweiundachtzig (Bundesstart)

  • Vorführungen:

    • Do, 4. November 2021 – Fr, 5. November 2021 um 17:00 Uhr
    • So, 7. November 2021 um 17:00 Uhr
    • Mo, 8. November 2021 um 17:00 Uhr
    • Mi, 10. November 2021 um 21:00 Uhr

    FILMKRITIK:

    Ein schöner Tag im Juni 1982 ist es, an dem der Film beginnt. Die Sonne brennt, keine Wolke steht am Himmel, ein Himmel, den später Jagdbomber durchschneiden werden. Die Schüler der fünften Klasse spielen noch vergnügt auf dem Hof, der elfjährige Wissam (Mohamad Dalli) spielt mit seinem besten Freund Majid (Ghassan Maalouf) und wagt es immer noch nicht, seinen Schwarm Joanna (Gia Madi) anzusprechen. Ganz normal scheint die Situation, doch es ist nur die Ruhe vor dem Sturm.

    Yasmine (Nadine Labaki), die Lehrerin der Klasse, versucht sich nichts anmerken zu lassen, versucht, ihre Schüler vor dem zu beschützen, was kommen wird. Der morgendliche Abschied von ihrem Freund Joseph (Rodrigue Sleiman) war von Sorge geprägt, zumal Yasmine gerade erfahren hat, dass ihr Bruder Georges (Said Serhan) sich freiwillig zum Militär gemeldet hat und bald in den Süden des Landes fahren wird, an die Grenze zu Israel.
    Ein Test steht noch an, dann könnten die Ferien beginnen. Doch in der Ferne sieht man schon Explosionen, die andeuten, dass dieser Sommer anders verlaufen wird, ziehen Rauchfahnen über eine Hauptstadt, die bald Zentrum eines Krieges werden wird.

    Autor und Regisseur Oualid Mouaness wuchs in Beirut auf und erlebte den Beginn des Libanonkriegs hautnah mit. In seinem ersten Langfilm „1982“ beschreibt er das damals Erlebte in zurückgenommener, fast schon distanzierter Weise. Ohne Musik, ohne falsches Pathos schildert er den Tag, den er fast vollständig aus kindlicher Perspektive, vor allem der seines Alter Egos Wissam beschreibt. Ganz gewöhnlich, ganz alltäglich mutet es an, wenn Wissam mit seinem Freund Majid spielt, sie sich darüber unterhalten, was sie im Sommer planen, sie sich über ihren Schwarm Joanna unterhalten und kaum ahnen, wie sich ihr Leben bald ändern wird.

    Ganz anders ihre Lehrerin Yasmine, gespielt von der Schauspielerin Nadine Labaki, die inzwischen auch als Regisseurin aktiv ist und vor drei Jahren mit „Capernaum – Stadt der Hoffnung“, einen eindringlichen Film über das Leben und Sterben im Libanon vorgelegt hat. Während ihr Film es damals bis zur Oscar-Nominierung als Bester Internationaler Film schaffte, kam „1982“ nicht so weit. Nicht ganz überraschend, denn während Labaki großes Kino anstrebte, emotional und manchmal auch ein wenig kitschig inszenierte, bleibt Moaness in seinem zurückhaltender.

    Erst ganz am Ende, wenn die ersten Bomben gefallen sind, sich Kampfflugzeuge Luftschlachten im Himmel über Beirut liefern, beginnen die Bilder die fiebrige Phantasie von Wissam zu spiegeln. Da erwachen die Zeichnungen, die er in jedem Moment in ein Heft malt, zum Leben. In der kindlichen Phantasie lässt sich der Krieg mit überdimensionalen, roboterhaften Gestalten kurzerhand beenden, die Realität sah anders aus. Jahre später hat sich die Phantasie Mouaness nun doch noch durchgesetzt, das Ergebnis ist ein zurückgenommener, aber dennoch eindringlicher Film über den Anfang eines Krieges, aus kindlicher Perspektive.

    Michael Meyns (Programmkino.de)