***ENTFÄLLT*** Architektur und Film: Sozialistische Utopien – Architektur für die Weltrevolution (Doku)

  • mit Filmeinführung
AKNW

Vorführungen:

  • Di, 3. März 2020 um 19:30 Uhr
  • Di, 10. März 2020 um 19:30 Uhr
  • Di, 17. März 2020 um 19:30 Uhr
  • Di, 24. März 2020 um 19:30 Uhr

*** VORSTELLUNG ENTFÄLLT ***
Laut Ordnungsverfügung des Landes NRW vom 15. März 2020 bleiben mit sofortiger Wirkung alle Kinos in NRW geschlossen – also auch das sweetSixteen-Kino in der Dortmunder Nordstadt. Weitere Infos siehe: Unser aktueller Stand


Jeden Dienstag ab dem 03. März bis zum 24. März 2020 im sweetSixteen-Kino.
Jeweils um 19.30h, Eintritt je Vorstellung: 7 Euro.
Alle Filme mit Einführung und einem kleinen Snack im Anschluss.

Kartenreservierungen unter Angabe der gewünschten Vorstellung und Personenzahl sind telefonisch oder per Mail über das sweetSixteen-Kino möglich (Mo-So 11-17 Uhr: 0231.910-66 23 oder unter info@sweetSixteen-Kino.de) und werden dringend empfohlen. Vorbestellte Karten bitte bis 30 Min. vor Filmbeginn abholen: bis dahin nicht stornierte/abgeholte Karten gehen in den offenen Verkauf.

Informationen zur Filmreihe

Utopische Bauwerke im Geiste des Konstruktivismus, gigantische Wohnkomplexe aus Beton, Kulturpaläste wie Schlachtschiffe: Die sozialistische Architektur der Nachkriegszeit war die Stein gewordene, kommunistische Utopie einer neuen Gesellschaft. Der kollektivstiftende, kraftvolle Wiederaufbau zerstörter Kriegslandschaften versprach preiswertes Wohnen, repräsentative Außendarstellung und großzügige Kultur- und Freizeitangebote für alle. Dabei waren den Architekten sozialistischer Monumentalbauten oftmals erstaunliche künstlerische Freiheiten gestattet, ihre Kreationen wirkten wie ein „Formenrausch aus Weltall-Phantasmen und eskapistischen Visionen des Abhebens und Schwebens“ (Frédéric Chaubin). Heute sind viele Gebäude dem Verfall preisgegeben oder werden anders genutzt als eigentlich gedacht.

Die 21. Ausgabe der Reihe Architektur und Film, die das sweetSixteen-Kino in Zusammenarbeit mit der
Architektenkammer NRW präsentiert, wirft einen Blick auf Repräsentationsbauten des Sozialismus und verfolgt deren Schicksal bis in die heutige Zeit. Dabei entspinnt sich ein Dialog zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen Hoffnung auf eine andere Zukunft und gestrandeten Utopien.

In Veliky Novgorod entstand in den 1980er Jahren das Dostoevsky Drama Theatre: Ein fast surrealistisch
anmutender Monumentalbau, der an ein verlassenes Raumschiff erinnert. Regisseur Andrei Rozens Dokumentation The Novgorod Spaceship ist ein spannendes Portrait dieses Beispiels sozialistischer Moderne. Architekt Vladimir Somov aus dem Kreis des legendären russischen Avantgarde-Künstlers Ely Bielutin gelang es, seine Ideen eines Theaterbaus an staatlichen Vorschriften vorbei durchzusetzen. Nach dem Niedergang Novgorods als boomende Industriestadt droht das Gebäude heute zu verfallen, und in Interviews zeigen die Bewohner der Stadt ihre Abneigung gegen den Bau Somovs, der selbst zu Wort kommt.

Im Anschluss läuft der Film Hotel Jugoslavija über den 1969 in Belgrad eröffneten sozialistischen
Repräsentationsbau, der das internationale Renommee Jugoslawiens symbolisieren sollte. Über Jahre beobachtete Regisseur Nicolas Wagnières den Wandel des Hotels, interviewte Zeitzeugen und trug faszinierende Dokumente wie einen DDR-Werbefilm fürs Hotel zusammen.

Was ist übrig geblieben vom avantgardistischen Konstruktivismus der 20er Jahre in Moskau? Ein Kampf gegen den Verfall und die Korruption. In den Nebenstraßen Moskaus stehen vergessene Schätze: utopische Bauwerke, entstanden in den 1920er Jahren im Geiste des Konstruktivismus. Was für ein Leben spielt sich
heute an diesen aufgeladenen Orten ab? Der Dokumentarfilm Fort von allen Sonnen folgt drei Moskauern, die mit dem Erbe dieser Bauten ringen. Elena kämpft für den Erhalt des einzigen erhaltenen Gebäudes von El Lissitzky. Donatas will mit seinen Freunden in einer Künstlerkommune leben. Vsevolod möchte ein Architekturdenkmal erhalten. Manifeste von Architekten wie Rodchenko, El Lissitzky und Vesnin sowie Aufnahmen des frühen sowjetischen Films rufen die Vision der Moderne wach.

Zeitgleich mit dem Einsetzen des ersten Fünfjahresplans ließ Stalin 1929 in Moskau das Haus der Regierung bauen. Wie ein luxuriöser Überseedampfer wurde der Gebäudekomplex mit fünfhundert Wohnungen ausgestattet. Mit Kantine, Kino, Theater und Läden bildete das Haus einen Kosmos für sich. Gegenüber dem Kreml errichtet, zogen hier auf Anweisung verdiente Revolutionäre sowie die Parteielite ein. Aus der Perspektive der Bewohner dieses Zentrums der Macht entsteht im Film Das Haus der Regierung ein lebendiges Bild der Sowjetunion bis hin zu den heutigen Insignien der Macht. Die Erinnerungen und Kommentare der Witwen und Nachkommen der ersten Einwohnergeneration zeichnen anhand der Geschichte des Hauses eine sehr persönliche Chronik des 20. Jahrhunderts.

Sotsgorod: Cities for Utopia erzählt von europäischen Architekten, die in den späten 1920er und frühen 1930er Jahren von der Sowjetunion zum Bau „sozialistischer Städte“ in Sibirien eingeladen wurden. In einer Zeit ökonomischer Depression gab es in Europa für junge Architekten wenig Arbeitsmöglichkeiten, während die zunehmende Ausbeutung von Bodenschätzen in Sibirien dort die Konzeption ganzer Städte notwendig machte. Jan Rutgers, Margarete Schütte-Lihotzky und Phillipp Tolziner kommen im Film selbst zu Wort, das Schaffen von Hannes Meyer, Hans Schmidt und Ernst May wird anhand erstmals zugänglicher Dokumente geschildert. Der Film stellt vier der Sotsgorods (=Sozialistische Stadt der Zukunft) vor:
Magnitogorsk, Orsk, Novokuznetsk und Kemerov.


Filminfos & Spielzeiten


Novgorod Spaceship

Di., 3. März 2020, 19:30 Uhr

„Betritt man das Theater, denkt man, man sei in einem expressionistischen Stummfilm gelandet inmitten eines russisch-orthodoxen Disneylands. Der baufällige Monumentalbau ist ein Mix aus den verschiedensten Architekturstilen und entführt uns in eine Traumwelt, in der die Gesetze von Balance und Funktionalität aus.
(USA 2015, 46’, OF, Regie: Andrei Rozen)

Anschließend:

Hotel Jugoslavija

Das Hotel in Belgrad ist ein mystisches Gebäude, ein Symbol und Zeuge verschiedener Momente jugoslawischer Geschichte: von Tito bis Milosevic, vom Sozialismus zum Nationalismus, von den Bombardierungen der NATO zur Gegenwart.
(CH 2018, 76‘, OmU, Regie: Nicolas Wagnières)


Fort von allen Sonnen

Di., 10. März 2020, 19:30 Uhr

In Moskaus Häuserreihen finden sich noch immer avantgardistische Gebäude, die im Zeichen des Konstruktivismus der 1920er Jahre entstanden sind, darunter das einzig erhaltene Gebäude von El Lissitzky und Bauwerke von Rodchenko. Der Dokumentarfilm zeigt den Kampf gegen den Verfall und drohenden Abriss der Kunstwerke im heutigen Moskau.
(D 2013, 77’, Regie: Isabella Willinger)


Das Haus der Regierung

Di., 17. März 2020, 19:30 Uhr

1929 entstanden in Moskau 500 komfortable Wohnungen für die Elite der Sowjetunion, das Imperium wohnte unter einem Dach, dem „Haus der Regierung“. Nirgendwo sonst verdichtet sich die Geschichte der UdSSR so intensiv. Christiane Büchner sammelte über fünf Jahre Archivmaterial und interviewte
Zeitzeugen. Aus der Vertrautheit zu den Protagonisten schöpft diese Dokumentation ihre authentische Kraft.
(D 2002, 110’, Regie: Christiane Büchner)


Sotsgorod: Cities for Utopia

Di., 24. März 2020, 19:30 Uhr

Die Erinnerung an die westeuropäischen Architekten, die in den späten 1920er Jahren hochmotiviert nach Sibirien gingen, um dort moderne, sozialistische Städte zu bauen, wird im Film durch Interviews und zahlreiche, bis dato unbekannte Dokumente lebendig. Mit Jan Rutgers, Margarete Schütte-Lihotzky, Phillipp Tolziner u.a.
(NL 1996, 92’, OmU, Regie: Anna Abrahams)