Architektur und Film: Max Bill – Das absolute Augenmass (Doku)

  • CH 2009
  • Regie: Erich Schmid
  • 90 Min
Max Bill

Vorführungen:

  • Di, 19. November 2019 um 19:30 Uhr

Architektur und Film: Die gute Form – 100 Jahre Bauhaus

Jeden Dienstag zwischen dem 05. November und 26. November 2019 im sweetSixteen-Kino
Jeweils um 19.30h

Alle Filme mit Einführung und einem kleinen Snack im Anschluss.

Eintritt je Vorstellung: 7 Euro

Kartenreservierungen unter Angabe der gewünschten Vorstellung und Personenzahl sind telefonisch oder per Mail über das sweetSixteen-Kino möglich (Mo-So 11-17 Uhr: 0231.910-66 23 oder unter info@sweetSixteen-Kino.de). Vorbestellte Karten bitte bis 30 Min. vor Filmbeginn abholen.

Alles auf einen Blick:

Flyer: Architektur und Film: Die gute Form – 100 Jahre Bauhaus im sweetSixteen-Kino

Alle Filme der Reihe auf einen Blick: Architektur und Film im sweetSixteen-Kino


1919 gründete Walter Gropius in Weimar das Staatliche Bauhaus als Ausbildungsstätte für Architekten, Künstler, Designer und Handwerker. Der Leitgedanke war die „gute Form“, eine Synthese von individueller, künstlerischer Gestaltung und industrieller Moderne, als Konsequenz sollte der Unterschied zwischen Künstler und Handwerker aufgehoben werden. Dabei war das Bauhaus nicht nur Ausbildungsstätte, sondern ein Ort der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und politischen Fragen: „Es verfolgte die Idee, mit Gestaltung Gesellschaft transformieren zu können: Gestaltung also nicht als Affirmation der Gegenwart, sondern als Kritik der Gegenwart, als Imagination eines anderen Möglichkeitsraumes; Gestaltung als emanzipatorisches Versprechen.“ (Ph. Oswalt). Nach Stationen in Dessau und Berlin wurde das Bauhaus 1933 nach Repressalien durch die NSDAP geschlossen, Vorwurf war „Kulturbolschewismus“. Allerdings wirken die innovativen Ideen des Bauhauses bis heute fort in Architektur, Design und Form.

Die 20. Ausgabe der Reihe Architektur und Film, die das sweetSixteen-Kino in Zusammenarbeit mit der Architektenkammer NRW präsentiert, geht mit zwei Filmprogrammen der Frage nach, welche Bedeutung die Ansätze des Bauhauses heute haben, ein Filmabend ist den Frauen des von Männern dominierten Bauhauses gewidmet, und ein Stummfilm aus dem Jahr 1923 zeigt formale Einflüsse der Bauhausästhetik auf das damals noch junge Medium Film.

Gezeigt werden folgende Filme (Infos weiter unten):

Di., 5. November 2019, 19:30 Uhr
AKNW BauhausVom Bauen der Zukunft – 100 Jahre Bauhaus (Doku, DE 2018, 90 Min, Regie: Niels Bolbrinker, Thomas Tielsch)

Di., 12. November 2019, 19:30 Uhr
Bauhausfrauen (Doku, DE 2019, 43 Min, Regie: Susanne Radelhof)
Das dritte Auge (Doku, de 1995, 45 Min, Regie: Frieder Schlaich)

Di., 19. November 2019, 19:30 Uhr
Max Bill – Das Absolute Augenmass (Doku, CH 90 Min, Reine: Erich Schmid)

Di., 26. November 2019, 19:30 Uhr
L’Inhumaine (Drama, FR 1924, Stummfilm, 135 Min, Regie: Georgette Leblanc, Jaque Catelain)


Vom Bauen der Zukunft – 100 Jahre Bauhaus skizziert zum einen die Geschichte des Bauhauses samt ihrer Ideen einer Gemeinschaft, die Walter Gropius, Wassily Kandinsky oder Paul Klee formulierten, zum anderen stellt er die Frage nach den Auswirkungen auf unsere heutige Lebenswelt. Wie lassen sich Räume so gestalten, dass alle Menschen am gemein-samen Leben teilhaben? Mit dem Bauhaus wurden Kunst, Gestaltung und Architektur politisch. Es entstand eine Raumkunst, die sich ebenso wenig zu schade war, über den Abstand zwischen Badewanne und Toilette nachzudenken wie über den idealen Stuhl. Die Dokumentation führt uns vom legendären Bauhausgebäude in Dessau zu visionären Projekten in lateinamerikanischen Favelas, von den Kursen der Bauhaus-Meister zur dänischen Schule ohne Klassenräume, von der Berliner Gropius-Stadt zur Vision einer autofreien Großstadt.

Das Bauhaus gilt als Heimstätte der Avantgarde und als Urzelle der modernen Architektur. Heute sind die Bauhausmeister die Stars der Architektur- und Designgeschichte. Doch die Geschichte des Bauhauses ist eine der männlichen Helden und bis heute stehen die Künstlerinnen im Schatten ihrer männlichen Kollegen. Dabei wollte Gropius nicht nur radikal neues Design erschaffen, sondern den Aufbau einer offenen, modernen Gesellschaft erproben – mit dem Versprechen auf echte Gleichberechtigung. Doch wie erging es den Frauen am Bauhaus? Die Dokumentation Bauhausfrauen zeichnet ein facettenreiches Bild weiblicher Kunst am Bauhaus und porträtiert – über Tagebucheinträge und Gespräche mit Nachfahren und Bauhauskennern – visionäre und eigenwillige Frauen. Zugleich wirft der Film einen Blick in Briefe und Korrespondenzen der Zeit, welche eine aktive Genderpolitik der Bauhausmeister offenbaren. Anschließend: Das dritte Auge. Die Doku erzählt die ereignisreichen Lebensläufe der Fotografinnen Grete Stern und Ellen Auerbach.

Der Schweizer Bauhaus-Schüler, Grafiker, Designer und Architekt Max Bill gilt als der bedeutendste eidgenössische Künstler des 20. Jahrhunderts: Bauhausschüler, Bildhauer, bildender Künstler, Designer und Architekt. Er war Antifaschist, protestierte gegen die atomare Aufrüstung und den Vietnamkrieg und setzte sich für den Umweltschutz ein. Ihm wird das absolute Augenmaß nachgesagt: Die Fähigkeit, geometrische Formen mit höchster Präzision zu gestalten sowie die Gabe für die richtigen Proportionen – nicht nur in der konkreten Kunst, die auf Logik und Mathematik basiert, eine essentielle Fähigkeit. Sein Ziel war es immer, mit seinen Skulpturen, Bildern und Bauten positiven Einfluss auszuüben und zugleich Verantwortung zu übernehmen. 1953 entstand unter seiner Leitung die Hochschule für Gestaltung in Ulm, am Vorbild des Bauhauses in Dessau orientiert. Die Dokumentation Max Bill – Das absolute Augenmass folgt seinem Lebenslauf, ist aber auch eine Geschichte des 20. Jahrhunderts, die von einem sozial engagierten Künstler erzählt.

Das legendäre Meisterwerk L’Inhumaine von Marcel L’Herbier war der erste Film, der konsequent moderne Architektur in ein Filmgeschehen integrierte. Eine wahre tour de force in minimalistischem Art Déco-Interieur und Bauhaus-beeinflusster Architektur, schildert der Film eine amour fou: Claire, eine berühmte Sängerin und titelgebende Unmenschliche, ist nicht fähig, wirklich zu lieben. Als einer ihrer Liebhaber ankündigt, Selbstmord begehen zu wollen, geschehen merkwürdige Dinge. Der Film um die Diva, die in einem ultramodernen Haus wohnt, und einen Erfinder, der in seinem futuristischen Labor Tote wieder zum Leben erwecken kann, verbindet Elemente des Science-Fiction-Films mit Stilmitteln der französischen Avantgarde der 1920er Jahre. L’Inhumaine eröffnete 1925 die Internationale Art-Déco-Ausstellung, und es wurde ein Manifest der modernen Form: Glatte Oberflächen, wohl definierte Kanten, saubere Kurven, glänzendes Material, rechte Winkel, Klarheit, Ordnung. Das ist das logische und geometrische Haus von morgen.


Die Filme der Reihe


Vom Bauen der Zukunft - 100 Jahre BauhausVom Bauen der Zukunft – 100 Jahre Bauhaus

Di., 5. November 2019, 19:30 Uhr

Vom Bauhaus als gesellschaftlicher Utopie ausgehend fragt der Film nach ihrer Entstehung, aber auch ihrer Inspirationskraft im Lauf der letzten hundert Jahre. Wie können die Ideen des Bauhauses den Herausforderungen des globalen Kapitalismus und seiner Umwälzung der Wohnungsmärkte begegnen

(Doku, DE 2018, 90 Min., Regie: Niels Bolbrinker, Thomas Tielsch)


Bauhausfrauen

Di., 12. November 2019, 19:30 Uhr

Über nie gesehenes Archivmaterial, Tagebucheinträge, Gespräche mit den Nachfahren und Bauhauskennern macht die bewegende Dokumentation spürbar, wie Frauen am Bauhaus lebten und wirkten.

(Doku DE 2019, 43 Min, Regie: Susanne Radelhof)

Das dritte Auge

Direkt im Anschluss an die Doku „Bauhausfrauen“

Bei dem Bauhaus-Fotografen Walter Peterhans entdeckten Grete Stern und Ellen Auerbach die Fotografie. 1929 eröffneten sie in Berlin ein „Studio für Reklame und Portraitfotografie“,
1933 emigrierten sie nach London und Palästina.

(Doku, DE 1995, 45 Min., Regie: Frieder Schlaich)


Max Bill – Das absolute Augenmass

Di., 19. November 2019, 19:30 Uhr

Was steckt hinter den Gestaltungsprinzipien von Max Bill? In dem dokumentarischen Porträt sucht der Schweizer Regisseur Erich Schmid die Antworten im Spannungsfeld zwischen Kunst und Politik, zwischen kreativer Vision und gesellschaftlicher Verantwortung. Max Bills leidenschaftliches Fazit war „wir können nur in Bildern denken, träumen, erinnern“.

(Doku, CH 2008, 90 Min., Regie: Erich Schmid)


L'InhumaineL’Inhumaine

Di., 26. November 2019, 19:30 Uhr

Der legendäre avantgardistische Architekt Robert Mallet-Stevens entwarf die Bauten zum Film. Im Gegensatz zu dem fundamentalistischen Le Corbusier und den harten Männern des Bauhauses milderte er die Linien des Modernismus mit den Elementen luxuriöser Dekoration. Mit dem Maler Fernand Léger schuf er eine modernistische Villa als Schauplatz für eine unbarmherzige Femme Fatale. (Patrick Bade).

(Doku, F 1924, 135 Min., Regie: Marcel L’Herbier, mit Georgette Leblanc, Jaque Catelain)