Astronaut (Auch am 25.10. um 17.00 Uhr) (Bundesstart)

Vorführungen:

  • Do, 15. Oktober 2020 – So, 18. Oktober 2020 um 18:30 Uhr
  • Di, 20. Oktober 2020 – Mi, 21. Oktober 2020 um 18:30 Uhr
  • Do, 22. Oktober 2020 – So, 25. Oktober 2020 um 17:00 Uhr
  • Di, 27. Oktober 2020 – Mi, 28. Oktober 2020 um 18:45 Uhr

Achtung: Der Film läuft auch am So 25.10. um 17.00 Uhr!

FILMKRITIK:

Erst seit kurzer Zeit ist Angus (Richard Dreyfuss) wieder allein, seine geliebte Frau ist nach langer Krankheit gestorben, der Witwer lebt wieder bei seiner Tochter Molly (Krista Bridges). Deren Mann Jim (Lyriq Bent) ist wenig begeistert über die Anwesenheit seines Schwiegervaters und hofft, ihn bald in ein Altenheim abschieben zu können. Ganz anders der junge Barney (Richie Lawrence), der die Leidenschaft seines Großvaters für das Weltall teilt. Gemeinsam beobachten sie mit dem Teleskop gern die Sterne und träumen davon, Astronaut zu sein, um den Heimatplaneten aus dem Weltall betrachten zu können. Das Unternehmen des Milliardärs Marcus Brown (Colm Feore) könnte diesen Traum wahr werden lassen. Ganz in der Nähe von Angus‘ Wohnort arbeitet Brown an einem Raumtransporter, das gut betuchten Passagieren den Flug ins All ermöglichen könnte – und dem glücklichen Gewinner einer Lotterie. Zwölf Kandidaten sollen ausgelost werden und sich dann einem Fernsehpublikum vorstellen, das den zukünftigen Astronauten bestimmt. Allerdings beträgt das Alterslimit 65 Jahre.

Dass Angus trotz seiner 75 Jahre und offensichtlichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen zumindest in die Vorauswahl kommt – allein ein gefälschter Führerschein (in Amerika eine Kleinigkeit, die praktisch jeder 17-Jährige beherrscht) reicht aus -, ist nur eine von allzu vielen wenig glaubwürdigen Entwicklungen, die das von Regisseurin Shelagh McLeod verfasste Drehbuch nehmen muss, um zum Ziel zu kommen. Die ehemalige Schauspielerin wurde durch Besuche im Pflegeheim ihrer Mutter zu einer Geschichte über alte Menschen inspiriert, über Menschen, die in ihren Augen viel zu häufig nicht mehr für vollwertige Mitglieder der Gesellschaft gehalten werden.

Fraglos ein wichtiges Thema, das in den letzten Jahren immer mehr Filme behandeln, man mag an den Donald Sutherland-Helen Mirren-Film „Das Leuchten der Erinnerung“ oder den gerade erst im Kino gelaufenen Claude Lelouch-Film „Die schönsten Jahre eines Lebens“ denken. So bodenständig diese Erzählungen jedoch waren, so abgehoben ist „Astronaut“. Allzu holprig schildert McLeod das Familienleben von Agnus, deutet in einer Szene Konflikte an, die im nächsten Moment schon wieder vergessen sind, beginnt Nebenhandlungen, die nirgendwohin führen. Allzu vorhersehbar entwickelt sich die Geschichte, die allein durch die Präsenz von Richard Dreyfuss an Qualität gewinnt.

Vor über 40 Jahren schaute eine von Dreyfuss gespielte Figur in Steven Spielbergs „Unheimliche Begegnung der Dritten Art“ schon einmal suchend und sehnsuchtsvoll ins All, eine Rolle, an die man hier immer wieder denken muss. Einem Vergleich mit diesem Klassiker kann „Astronaut“ natürlich nicht standhalten. Sich vorzustellen, dass dieser Angus eine ältere Version ist, die seine Begeisterung für die Weiten des Alls an seinen Enkel weitergibt, gibt der Tragikomödie für Momente eine Tiefe, die man gerne im Film selbst verortet hätte.

Michael Meyns (Programmkino.de)