Atomkraft forever (Doku) (Bundesstart)

  • DE 2021
  • 94 Min
  • Regie: Carsten Rau
  • FSK: ab 0 Jahren
  • FBW Prädikat besonders wertvoll
  • Doku: Originalfassung mit deutschen Voiceover und ggf. Untertiteln
  • offizielle Filmseite
Atomkraft forever

Vorführungen:

  • Do, 16. September 2021 – Sa, 18. September 2021 um 21:00 Uhr
  • So, 19. September 2021 um 17:00 Uhr
  • Mo, 20. September 2021 – Mi, 22. September 2021 um 17:00 Uhr

2022 steigt Deutschland endgültig aus der Atomkraft aus: Das letzte Atomkraftwerk wird abgeschaltet, weil die Erfahrung von Fukushima gezeigt hat, dass das Risiko zu hoch ist und die Technik nicht beherrschbar. Doch dass damit das nukleare Problem gelöst wäre, erweist sich bei genauerer Betrachtung als Illusion: Zigtausende Tonnen radioaktiver Müll, dessen Lagerung völlig unklar ist. Gefährlicher Rückbau der Kraftwerke, der Jahrzehnte dauern und viele Milliarden Euro verschlingen wird. Und europäische Nachbarn, die an der vermeintlich sauberen Kernenergie festhalten: Von 27 EU-Staaten betreiben 13 Atomkraftwerke – und der Ausbau geht weiter.

INTERVIEW MIT DEM REGISSEUR

Carsten Rau ist Dokumentarfilmer, Journalist und Produzent und lebt mit seiner Familie in Hamburg. Nach dem Studium der Politikwissenschaft und Geschichte in Berlin und Hamburg arbeitete er 13 Jahre für das NDR Fernsehen. 2006 gründete Carsten Rau mit Hauke Wendler die PIER 53 Filmproduktion. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehört das Thema Energiepolitik. Für seine Filme wurde er vielfach mit Preisen ausgezeichnet.

Ihr Film heißt ATOMKRAFT FOREVER. Das ist ein gewagter Titel angesichts des deutschen Ausstiegs.

Das glaube ich nicht. Zum einen erzeugt zum Beispiel Frankreich nach wie vor Dreiviertel seines Stroms mit Kernenergie. Und etwa die Hälfte der EU-Staaten betreibt noch immer Atomkraftwerke. Deutschland steigt 2022 aus, das stimmt. Aber die Suche nach einem Endlager für unseren hochradioaktiven Müll hat ja erst begonnen und wird frühestens 2031 abgeschlossen sein. Und dieses Endlager soll den Atommüll irgendwann sicher verschließen für eine Million Jahre. Ich finde, das klingt ziemlich nach Forever.

Worum geht es in dem Film?

ATOMKRAFT FOREVER umreißt den Menschheitstraum von der unendlichen Energie und vom Wohlstand moderner Gesellschaften durch Kernspaltung. Dieser Traum ist in Deutschland vorbei. Der Film beschreibt unter anderem den absurden Aufwand, 17 Atomkraftwerke zu dekontaminieren, abzureißen und den nuklearen Schrott irgendwann unter die Erde zu bringen. Das alles wird viel länger dauern als die Kraftwerke Strom produziert haben. Aus dem Menschheitstraum ist ein Albtraum geworden.

Aber der Film begleitet auch Befürworter und Nuklearingenieure. Warum?

Das stimmt. Wir konnten unter anderem mit französischen Ingenieuren und jungen Wissenschaftlern drehen. Das war mir wichtig. Denn diese Leute leben für ihren Traum von einer nuklearen Zukunft. Die meinen das wirklich ernst. Und die Erderwärmung gibt diesen Befürwortern neuen Auftrieb, weil sie sagen, Kernenergie sei CO2-arm.

Aber Sie wollen doch nicht bestreiten, dass Kernenergie mit weltweit etwa zehn Prozent nur einen kleinen Beitrag zur globalen Stromproduktion leistet?

Einige der großen Industriestaaten betreiben noch immer eine beachtliche Zahl von Kernreaktoren wie zum Beispiel die USA, China, Russland oder eben Frankreich. Aber die Relevanz von Kernenergie beschränkt sich nicht auf den Strom, der hinten rauskommt. Das Risiko ist global. Wie wir in Fukushima gesehen haben, reicht ein einziges Atomkraftwerk für eine nukleare Katastrophe, die dramatische Folgen hat weit über nationale Grenzen hinaus.

ATOMKRAFT FOREVER bringt die Zuschauer unter anderem ins Herz der französischen Atomindustrie. War es nicht schwer, eine Drehgenehmigung zu bekommen?

Ehrlich gesagt, hat es zwei Jahre lang gedauert und viele persönliche Gespräche gebraucht, bis wir einen Fuß im französischen Kernforschungszentrum hatten. Die Leute hatten anfangs nicht viel übrig für den Film. Kann ich auch verstehen.
Aber ich glaube, unser Umgang mit den Wissenschaftlern war transparent und fair. Ob die das am Ende auch so sehen, werd ich demnächst herausfinden, wenn ich wieder nach Frankreich fliege und den Film in einem Kino voller Nuklearingenieure zeige. Ich bin schon jetzt gespannt.

Ist das Genre des Dokumentarfilms überhaupt geeignet für so ein Thema?

In jedem Fall! Natürlich ist es eine handwerkliche Herausforderung, sämtliche Geschichten des Films szenisch umzusetzen und auf einen Kommentartext zu verzichten. Aber der Film bringt uns an so unglaubliche Orte mit so spannenden Menschen, die in jedem Fall einen Dokumentarfilm rechtfertigen. Außerdem glauben wir noch immer fest an die Mündigkeit der Zuschauer im Fernsehen und im Kino. Jeder wird mit eigenen Eindrücken aus diesem Film gehen. Nur an einer Erkenntnis führt kein Weg vorbei: die Atomkraft mit ihrem Müll wird bleiben.

Wie stehen Sie denn überhaupt persönlich zur Atomenergie?

Selbst atomkraftkritische Fachleute bestreiten nicht die herausragende Ingenieursleistung hinter der Kernenergie. Aber das Risiko eines Unfalls ist zu groß, von den alltäglichen Strahlen-Emissionen eines Kernkraftwerks mal ganz abgesehen. Und wir haben keine Ahnung, wohin mit dem Atommüll. Deshalb glaube ich nicht, dass es sinnvoll ist, die mächtigste Energie auf dieser Welt zu entfesseln, bloß um Wasser heiß zu machen.

Pressezitate

„2022 will Deutschland aus der Atomkraft aussteigen. Ist damit der nukleare Albtraum vorbei oder beginnt er unter dem Deckmantel ’saubere‘ Kernenergie gerade erst? In einem Dokumentarfilm blickt Carsten Rau nüchtern aber bestimmt auf die Debatte.“ (3Sat Kulturzeit)

„Sie enthalten sich des Off-Kommentars und der expliziten Bewertung, aber die Montage spricht Bände. Und wie in Carmen Losmanns Dokumentarfilmen »Oeconomia« und »Work Hard Play Hard« wirken die von Ihrem Kameramann Andrzej Król eingefangenen Bilder der französischen Atomindustrie-Businesswelt, aber auch die der Führungsebene der deutschen Gesellschaft für Endlagerung, die Transparenz und Bürgerbeteiligung bei der Endlagersuche eher vorzugaukeln scheint, oft absurd und entlarvend.“ (Neues Deutschland)

„Atomkraft, die den beiden vergangenen Generationen ordentlich Strom bescherte, um Hunderten nachfolgenden Generationen Tausende Tonnen Atommüll aufzubürden, wird bis heute als vergleichbar sauberer Strom bezeichnet. Der Film schaut auf Mechanismen, Nutzer und Profiteure der Atomindustrie, erzählt von Abriss und Endlager. Doku zur Atomstrompolitik in unruhigen Zeiten“ (Choices)

„Genau wie die sehr sehenswerte Doku ‚Atomkraft Forever‘ von Filmemacher Carsten Rau: Anhand verschiedener Kernkraftwerke in ganz Europa wirft der Film die Frage nach Sinn und Unsinn, Sicherheit und Gefahren von Atomenergie auf. Besonders angenehm ist dabei, dass Carsten Rau Fakten und Fachleute sprechen lässt, anstatt die ganze Zeit mit dem Moral-Zeigefinger zu wedeln.“ (Deutschlandfunk Nova)

„In solchen Einstellungen wird ein Gespür für Bilder deutlich, das im deutschen Dokumentarfilm nicht alltäglich ist. Auch die Sounds der Filmmusik sind so ambitioniert wie stimmig.“ (Filmdienst)

„Tatsächlich ist es ein Schrecken, der für hunderttausende Jahre bestehenden bleiben wird, und der nicht dadurch verschwindet, dass man ihn ignoriert. Dies zu unterstreichen, gelingt Atomkraft Forever eindrucksvoll und in bemerkenswerten Bildern. Die Dokumentation sollte in jedem Physikunterricht verpflichtend gezeigt werden müssen – immerhin werden die Hinterlassenschaften jener Energiegewinnung viele, viele Generationen noch beschäftigen.“ (Treffpunkt Kritik.de)

„Rau arbeitet den zugrundeliegenden gesellschaftlichen Konflikt pointiert heraus.“ „Rau erzielt eine erstaunliche Wirkung.“ (Konkret)

„Zehn Jahre nach Fukushima ist Carsten Raus filmische Lageerkundung in Sachen Atomkraft ein fragmentarischer und offener Debattenbeitrag, der viele Standpunkte nebeneinander stellt, vieles davon aber in einem kritischen Licht.“ (Xaver Ulm)

„Wenn Deutschland 2022 endgültig aus der Atomenergie aussteigt, bleibt eine Frage: Wohin mit dem atomaren Müll? Carsten Rau zeichnet ein alarmierendes Bild ohne ideologische Zuspitzung.“ (TV Spielfilm)

„Wie die Praxis hinter diesen politisch hochparadoxen Vorgängen aussieht, beleuchtet die eindrucksvolle Dokumentation »Atomkraft Forever« von Carsten Rau, der ein breites Stimmenspektrum von Ingenieuren, Aktivisten und Bürgern einfängt. Am Ende dieses Panoramas steht das Bild eines Mannes in einem überdimensionalen Verwaltungsgebäude. Die Kamera zoomt weg und wir wissen: Die Lösung des Atomproblems wird noch Generationen überdauern.“ (Galore)

„Ein wunderschöner Dokumentarfilm“ (Mitbestimmung)

„Dass Carsten Rau diese hochkomplexe Gemengelage in 90 Minuten Dokumentarfilm gepackt hat; dass dieser Film spannend ist bis zur letzten Minute; dass er den Blick öffnet und kreativ macht für eigenes Denken: Das macht ‚Atomkraft Forever‘ so wertvoll.“ (Kulturnews)

„Die Technik nicht beherrschbar, radioaktiver Abfall über Tausende von Jahren: Was es bedeutet, wenn Deutschland aus der Atomkraft aussteigt, zeichnet Carsten Rau in seinem Dokumentarfilm ‚Atomkraft forever‘ nach.“ (Ostsee Zeitung)

„Seltene Aufnahmen aus dem Inneren der Atomkraftwerke und von der schwierigen Planung möglicher Endlager für eine Million Jahre unterbricht Rau durch Ausschnitte aus dem BRD- und DDR-Fernsehen der 60er- bis 80er-Jahre, in denen man die Kerntechnologie anpreist. Alte und neue Filmaufnahmen aus Gorleben, auch solche der Proteste, ergänzen den vielschichtigen Film, der verdeutlicht, wie lange Deutschland auch nach dem Atomausstieg noch mit radioaktivem Müll zu tun haben wird – ATOMKRAFT FOREVER?“ (IndieKino)

„Carsten Rau lässt Gegner und Befürworter der Atomkraft zu Wort kommen und zeichnet ein unbequemes Bild, das auf ideologische Zuspitzungen verzichtet.“ (Cinema)

„In einem kinematographisch faszinierenden, überlegten Tour d‘ Horizon betrachtet Carsten Rau verschiedene Positionen im Zusammenhang mit der Kernenergie – ohne auch nur ansatzweise in diesen typischen TV-Asthmatizismus zu verfallen oder in die elendigliche TV-Verzopferei von Storysträngen.“ (Filmjournalisten.de)

„Das macht den eher fragmentarischen Dokumentarfilm auch so interessant, wenn nach einer Wahrheit gesucht wird, von der keiner sagen kann, ob es sie überhaupt gibt.“ (Film-Rezensionen.de)

„Die sehr sachliche Doku von Regisseur Carsten Rau kommt mit dem provozierenden Titel kommt da im richtigen Moment. Ihr gelingt es, ohne Dramatisierung zu überzeugen.“ (Programmkino)

„ATOMKRAFT FOREVER ist denn auch kein Film, der Fürsprache und Faszination um das Thema unterdrücken würde, vielmehr mitdenken muss, um sein Sujet zu verstehen.“ oder „Zwischen dieser strahlenden Vergangenheit und den finsteren Zukunftsaussichten beschreibt ATOMKRAFT FOREVER eine instabile Gegenwart.“ (Critic.de)