Vorführungen:

  • Do, 1. Juli 2021 – So, 4. Juli 2021 um 19:00 Uhr
  • Di, 6. Juli 2021 um 17:00 Uhr

Beyto ist ein fantastischer Schwimmer und cooler Kumpel. Doch als sich der junge Schweizer mit türkischen Wurzeln in seinen attraktiven Trainer Mike verliebt, gerät seine heile Welt durcheinander. Um Tradition und Ehre zu wahren, sehen Beytos Eltern nur einen Ausweg: Ihr Sohn muss so schnell wie möglich eine Frau heiraten! Mit einem Vorwand locken sie ihn in ihr türkisches Heimatdorf und organisieren eine Hochzeit mit Seher, Beytos Freundin aus Kindertagen. Plötzlich befindet sich der junge Mann in einer Dreiecksbeziehung, die ihn zu zerreißen droht: Wie kann er zu Mike stehen, ohne Seher die Zukunft zu rauben?
Voller Empathie und sommerlicher Sinnlichkeit erzählt die Schweizer Regisseurin Gitta Gsell in „Beyto“, basierend auf dem Roman „Hochzeitsflug“ des preisgekrönten Autors Yusuf Yesilöz, eine multikulturelle Liebes- und Emanzipationsgeschichte. Neben dem Schweizer Filmpreis-Träger Dimitri Stapfer glänzen die beiden Entdeckungen Burak Ates und Ecem Aydin in ihren ersten Kinorollen. Gekonnt erzählt, mit glaubwürdigen Figuren sowie überzeugenden Schauspielern – ein Glanzlicht beim diesjährigen Zürich Film Festival.


Interview
Fragen an Regisseurin Gitta Gsell

Sie haben sich mit „Beyto“ ein heikles Thema vorgeknöpft: Ein junger Mann, Sohn türkischer Einwanderer, gerät in Konflikt mit seiner Familie, weil er schwul ist. Wieso diese Thematik?
Als ich das Buch „Hochzeitsflug“ meines langjährigen Freundes Yusuf Yesiloz las, wurde mir schnell klar, dass diese Geschichte ein toller Filmstoff ist. Die Thematik ist brandaktuell: Menschen „im Sandwich“ zwischen verschiedenen Kulturen. Zudem sind die Figuren sehr gut angelegt, denn alle sind in ihrem Tun verständlich. Man kann das Handeln der eingewanderten Eltern nachvollziehen, die sich nicht so schnell an eine neue Kultur anpassen können. Gleichzeitig versteht man aber auch den Sohn Beyto, der in der Schweiz aufgewachsen ist, eine völlig andere Kultur kennengelernt hat und selbst bestimmen möchte, mit wem er sein Leben verbringt.

Beyto wird von Burak Ates gespielt, einem jungen Laienschauspieler. Warum haben Sie die Hauptrolle mit einem Laien besetzt?
Im professionellen Umfeld ließ sich schlichtweg niemand finden, der den Rollenanforderungen entsprochen hätte. Wir suchten nach einem jungen Mann, der in der Schweiz aufgewachsen ist, aber auch die türkische Kultur verinnerlicht hat und somit den Konflikt nachvollziehen kann. Er musste Türkisch und Schweizerdeutsch sprechen können, weil ich den Film unbedingt in der Schweiz ansiedeln wollte. Hinzu kommt die Thematik. Viele, die wir gecastet haben, lehnten ab, als sie erfuhren, dass ein schwuler junger Mann verkörpert werden soll. Das taten sie nicht, weil sie selber ein Problem mit Homosexualität gehabt hätten, sondern weil sie sich vor der Reaktion ihrer Eltern oder anderen Familienmitgliedern fürchteten.

Im Film fliegt Beyto mit seinen Eltern in die Türkei, weil angeblich die kranke Großmutter besucht werden soll. Tatsächlich aber verheiraten ihn seine Eltern vor Ort. Wie verliefen die Dreharbeiten im kleinen türkischen Dorf?
Ganz fantastisch. Die Türkei verfügt über eine große, professionelle Filmindustrie und unser türkischer Serviceproduzent hat uns eine sehr gute Film-Crew zusammengestellt. Darüber hinaus ist die Gegend dort wahnsinnig filmogen. Allerdings konnten wir den Dorfbewohnern nicht erzählen, um was es wirklich geht im Film.

Es ist schwierig, Beytos Geschichte zur erzählen und dabei eine Kultur, in der Homosexualität verpönt ist, nicht als rückständig zu brandmarken. Wie sind Sie mit dieser Gefahr umgegangen?
Das war tatsächlich eine Gratwanderung, denn selbstverständlich liegt es mir absolut fern, eine Kultur zu verurteilen. Gleichzeitig darf die Problematik aber auch nicht verschwiegen werden. Mir war es wichtig aufzuzeigen, dass nicht nur Beyto und die Generation der Kinder unter der Situation leiden, sondern dass sich auch die Eltern im Clinch befinden. Im Verlauf der Geschichte beginnen sie, ihren Sohn besser zu verstehen. Gleichzeitig droht ihnen der Ausschluss aus der Community, wenn nicht nach alten Traditionen gelebt wird. Ein Teufelskreis. Und zwar für alle. Denn alle stehen irgendwie unter Zugszwang.