• DE/F 2019
  • 99 Min
  • Regie: Sebastian Schipper
  • FSK: ab 6 Jahren
  • FBW Prädikat besonders wertvoll
  • Originalfassung (ohne deutsche Untertitel)
  • offizielle Filmseite

Vorführungen:

  • Mo, 23. Mai 2022 – Fr, 27. Mai 2022 um 11:00 Uhr

Folgende Filme können gebucht werden: BooksmartShaun the sheepYouth Unstoppable – Roads – The secret gardenGiant little ones

Mit der 14. BRITFILMS-Staffel geht es rund um die ganze Welt, von Europa über Afrika und Kanada bis in die USA. Doch eins vereint die bunte Mischung unserer jungen Protagonist*innen: Niemand muss den Weg alleine gehen. Pädagogische Dossiers und weitere Informationen unter: www.britfilms.de

Alle sechs Filme, die gebucht werden können, auf einen Blick: www.sweetsixteen-kino.de

Ihr könnt aus sechs Filmen auswählen und die Termine individuell mit uns abstimmen. Anmeldung für Schulklassen bitte per Email an: info@sweetsixteen-kino.de

Der Eintritt beträgt für Schüler*innen 4 €. Begleiter*innen haben freien Eintritt.


ROADS

Mit VICTORIA drehte Sebastian Schipper 2015 einen internationalen Ausnahme-Hit. In ROADS charakterisiert er die aufblühende Freundschaft zweier gegensätzlicher Männer, gedreht vor der Kulisse eines modernen Europas im ständigen gesellschaftlichen Umbruch.

FILMKRITIK:

Als wir Gyllen zum ersten Mal sehen, steht er irgendwo in Marokko am Straßenrand und telefoniert verzweifelt mit Bekannten. Ob sie einen Trick wüssten, wie man dieses bockige Wohnmobil wieder startklar bekommt? Erst später wird der Zuschauer erfahren, dass Gyllen noch keine 18 ist und keinen Führerschein besitzt. Das Wohnmobil hat er kurzerhand seinem Stiefvater geklaut, um so dem Familienurlaub in Nordafrika zu entfliehen. Glücklicherweise kommt der 18-jährige William des Wegs. Er ist aus dem Kongo, will nach Europa. Dort lebt sein verschollener Bruder. William kann nicht nur Auto fahren, auch sonst ist er praktischer veranlagt als Gyllen. So werden sie zu Verbündeten. Doch wie sollen die beiden jungen Männer ohne Papiere auf die Fähre nach Spanien gelangen? Im Hafen von Tanger sprechen sie einfach den deutschen Hippie Luttger an – obwohl er offensichtlich nicht ganz richtig tickt. Nicht nur, dass er mit Rauschgift handelt, er klaut den beiden, kaum in Spanien angekommen, auch das Wohnmobil – mit William an Bord. Gyllen braucht einige Energie und Erfindungsgeist, um Luttger ein Schnippchen zu schlagen. Und dann geht es weiter, durch Spanien nach Frankreich, bis Calais.

Ein Road Movie also, und wie in so vielen anderen Road Movies geht es auch hier, im neuen Film von Sebastian Schipper, der 2015 mit „Victoria“ für Furore sorgte, nicht so sehr um das Erreichen eines Ziels, sondern um das Unterwegssein, um eine Reise zu sich selbst. Gyllen und William sind getrieben von Abenteuerlust und einer unbestimmten Sehnsucht, sie wachsen auf ihrer Reise immer stärker zusammen und müssen Entscheidungen treffen, die ihr Leben und das von anderen nachhaltig beeinflussen. Symptomatisch hierfür ist Gyllens Besuch bei seinem leiblichen Vater in Frankreich. Der will die Dinge wieder richten und Gyllen mit seinem Stiefvater versöhnen. Doch der Junge verweigert sich und zieht einfach weiter.

Schipper, dessen „Victoria“ sich zeitlich und örtlich so große Beschränkungen auferlegte, setzt viele Leerstellen. So richtig wird nicht deutlich, warum Gyllen so böse auf seine engsten Mitmenschen ist, warum er andererseits Fremden so großes Vertrauen entgegenbringt. Die Eltern im Urlaub im Stich zu lassen und mit dem leiblichen Vater zu brechen, ist schon ein starkes Stück. Mit ein bisschen mehr Menschenkenntnis hätte er zumindest die Niedertracht und Verantwortungslosigkeit Luttgers erkennen müssen. William hingegen schlägt die Brücke zur aktuellen Flüchtlingskrise.

Doch während ein Film wie „Styx“ die Flüchtlingsproblematik auf einen moralischen Konflikt herunter brach, für den es keine Lösung gab, wirkt sie hier seltsam aufgesetzt. Das ändert freilich nichts an den schauspielerischen Leistungen. Sowohl der britische Shootingstar Fionn Whitehead („Dunkirk“) als auch der französische Schauspieler und Stand-Up-Comedian Stéphane Bak („Elle“) machen ihre Sache gut. Ihre Figuren werden zu Freunden in einer Welt, die sich durch die Flüchtlingskrise verändert hat. Da hilft nur Zusammenhalt.

Michael Ranze (Programmkino.de)


Mit Sogkraft:
In diesem Film steckt so viel drin, und dann ist er doch recht einfach und frei von Schnickschnack. Sebastian Schippers „Roads“ erzählt eine Fluchtgeschichte – die eines relativ verwöhnten Jungen und die des aus dem Kongo Geflüchteten William, der seinen Bruder Baptiste sucht. Und dann ist „Roads“ einfach auch ein filmisches Meisterwerk.

Es ist sein 18. Geburtstag – und irgendwie läuft alles falsch für Gyllen. Deshalb rennt er weg, nein, er fährt. Er nimmt das Wohnmobil seines Stiefvaters und verlässt das familiäre Feriendomizil in Marokko. An der Küste parkt er den Wagen und kann ihn nicht mehr starten. Da kommt ihm William zu Hilfe.

Die beiden jungen Männer sind in etwa gleich alt, aber gänzlich unterschiedlich – in vielen Bereichen. William hat sein Heimatdorf im Kongo verlassen, um seinen emigrierten älteren Bruder zu suchen. Er weiß, dass Baptiste bis Nordfrankreich gekommen sein muss, doch seitdem hat er nichts mehr von ihm gehört, und die Familie macht sich große Sorgen, dass ihm etwas passiert sein könnte. William hat kaum Reisegepäck dabei und Geld sowieso nicht, aber er spricht sehr gut Englisch und auch ein wenig Französisch. Er kennt sich mit Autos aus, ist gut vernetzt, kennt die Geschichten seiner Landsleute.

Verena Schmöller (Kinozeit)