Das melancholische Mädchen (Bundesstart)

  • DE 2019
  • Regie: Susanne Heinrich
  • 92 Min
  • FSK 12

Vorführungen:

  • Do, 27. Juni 2019 – Fr, 28. Juni 2019 um 20:15 Uhr
  • So, 30. Juni 2019 um 20:15 Uhr
  • Di, 2. Juli 2019 – Mi, 3. Juli 2019 um 20:30 Uhr

Auf der Suche nach einem Schlafplatz streift das Melancholische Mädchen (Marie Rathscheck) durch die Großstadt. Unterwegs begegnet sie jungen Müttern, die ihre Mutterschaft als religiöses Erweckungserlebnis feiern, findet Unterschlupf bei einem abstinenten Existenzialisten, für den Sex „auch nur noch ein Markt“ ist, und wartet in einer Drag Bar „auf das Ende des Kapitalismus“. Ihr Versuch, ein Buch zu schreiben, scheitert am ersten Satz des zweiten Kapitels, und sie findet keinen Platz zwischen Kunstgalerien, Yoga-Studios und den Betten fremder Männer. Statt sich zu bemühen hineinzupassen, fängt das Mädchen an, ihre Depression als Politikum zu betrachten…
Eine Forschungsreise in 15 komischen Begegnungen durch unsere post-moderne Gesellschaft zwischen Prekarisierung und Self Marketing, serieller Monogamie und Neo-Spiritualität, Ernüchterung und Glückszwang.

Regiekommentar
DAS MELANCHOLISCHE MÄDCHEN ist aus einem tiefen Unbehagen in dieser Gesellschaft entstanden. Ich war Mitte 20, hatte meine Karriere als Schriftstellerin und meine erste Ehe hinter mir und litt unter einer Depression. Warum konnte ich nicht einfach glücklich sein? Ich war doch frei und gleichberechtigt, ich hatte doch alle Möglichkeiten, oder?

Meine späte Politisierung und die Beschäftigung mit kritischer Theorie, Poststrukturalismus und feministischer Kapitalismuskritik haben meinen Blick verändert. Ich begann, individuelle Krisen nicht mehr als persönliches Versagen zu betrachten, sondern als gesellschaftliche Pathologien, die von Subjekten ausgetragen werden. Dieser distanzierte Blick brachte mich zum Lachen. Unser oft so alternativlos erscheinender neoliberaler Alltag kam mir auf einmal wie eine absurde Möglichkeit unter vielen vor – und damit veränderbar. Wenn der Film es schafft, dieses Unbehagen, von dem ich sicher bin, dass viele es teilen, produktiv zu machen, bin ich – naja, happy. (Susanne Heinrich)