Architektur und Film: Die Kunst der Museumsarchitektur

  • mit Filmeinführung
  • Divers
  • Regie: Divers
  • Doku: Originalfassung mit deutschen Voiceover und ggf. Untertiteln

Vorführungen:

  • Di, 7. September 2021 um 19:30 Uhr
  • Di, 14. September 2021 um 19:30 Uhr
  • Di, 21. September 2021 um 19:30 Uhr
  • Di, 28. September 2021 um 19:30 Uhr

ACHTUNG: In unserem Print-Kinomonatsprogramm hat sich leider ein Fehler eingeschlichen (aber nicht hier auf unserer Homepage!!). Richtig ist:
„Renzo Piano“ läuft am 14.9.2021
„Daniel Libeskind“ läuft am 21.9.2021


Die Kinovorstellungen im sweetSixteen-Kino finden unter besonderen Maßnahmen statt. Genauere Informationen zu diesen Sicherheitsbestimmungen aktualisieren wir laufend auf unserer Homepage: www.sweetsixteen-kino.de/filme/achtung/. Da nur ein begrenztes Platzangebot zur Verfügung steht, ist eine telefonische Voranmeldung dringend empfohlen.

DIE KUNST DER MUSEUMSARCHITEKTUR
Der Realisierung zeitgenössischer Museumsarchitektur gehen zumeist publikumswirksam organisierte Wettbewerbe voraus, in denen sich sowohl öffentliche Auftraggeber*innen wie auch erfolgreiche „Stararchitekt*innen“ profilieren können. Der kreativen Freiheit sind bei diesen Leuchtturmprojekten keine Grenzen gesetzt.

Extravagante Beispiele dieser Architektur, vor allem aus den beiden letzten Jahrzehnten, entstanden durch innovativen Umgang mit Material und Design und zeigen, wie der Museumsbesuch zu einer völlig neuen Erfahrung werden kann. Nicht nur die ausgestellten Kunstwerke ziehen die Aufmerksamkeit der Besucher*innen auf sich, sondern auch die spektakulären Museumsgebäude selbst.

Hier muss allerdings die Frage nach der Rolle der Architektur in den Kontext der musealen Rezeption gestellt werden, denn Material, Licht und Raumgestaltung können die Wahrnehmung entscheidend beeinflussen.

Die Filme der 23. Ausgabe der Reihe Architektur und Film, die das sweetSixteen-Kino in Zusammenarbeit mit der Architektenkammer NRW präsentiert, stellen Klassiker der Museumsarchitektur vor und setzen sich kritisch mit der Beziehung zwischen der Architektur und der Präsentation von Kunst auseinander.


Di., 7. September 2021, 19:30 Uhr

Neue Nationalgalerie Berlin, Foto: CC BY-SA 3.0

MIES VAN DER ROHE
DIE NEUE NATIONALGALERIE
D 2017, 48 Min., DF

REGULAR OR SUPER – VIEWS ON MIES VAN DER ROHE
CAN 2004, 56 Min., OmeU
Anfang der 1960er-Jahre beauftragte der Senat von (West-)Berlin Mies van der Rohe (1886
– 1969) mit dem Bau eines Museums für moderne Kunst. Exakt dreißig Jahre, nachdem der Aachener Architekt aus seiner Heimat emigriert war, eröffnete 1968 die Neue Nationalgalerie, die schnell zu einem Klassiker des Museumsbaus avancierte. In ihrem Dokumentarfilm erkundet die Regisseurin Ina Weisse die Entstehung des Projektes und zeigt den Betrachter*innen in minimalistischen Schwarzweiß-Aufnahmen die Essenz des Meisterwerks.

Als Tochter des Architekten Rolf Weisse, der mit Mies van der Rohe in Chicago arbeitete, kann Ina Weisse auf bisher unbekannte Archivmaterialien zurückgreifen, dazu sind Interviews mit Mitwirkenden des Projektes zu sehen. Die Nationalgalerie entsprach überhaupt nicht den damals gängigen Konzepten der Museumsarchitektur, sie sollte vielmehr ein „Universalraum“ sein, der die Ausstellung verschiedenartigster Objekte zuließ. Wie bei einem seiner Vorbilder, der Cullinan Hall des Museum of Fine Arts in Houston (entstanden 1954), können sich die Kunstobjekte in einem schlichten, großen Raum frei entfalten und dank der Glashülle mit dem Außenraum kommunizieren.


Di., 14. September 2021, 19:30 Uhr

Von außen sichtbare Gebäudetechnik am Centre Pompidou, Foto: CC BY-SA 3.0

RENZO PIANO
CATHEDRALS OF CULTURE („Centre Pompidou“)
F 2014, 26 Min., OF
Das Pariser Centre George Pompidou fasziniert seit seiner Eröffnung 1977 seine Besucher*innen, die, neben den ausgestellten Objekten, durch die große Glasfassade auch die französische Hauptstadt bewundern können.

Über kaum ein anderes Museum in Westeuropa wurde wegen seiner Architektur so heftig debattiert, und kein anderes Museum erlangte seitdem eine derartige Popularität wie das Pariser Centre George Pompidou. Das immer noch modern wirkende, damals wie heute futuristische Kulturzentrum, konzipiert von Renzo Piano (*1937) und Richard Rogers (*1933), fasziniert seit seiner Eröffnung 1977 seine Besucher*innen, die, neben den ausgestellten Objekten, hinter der Glasfassade und von einer offenen Rolltreppe aus, auch die französische Hauptstadt bewundern können. Die außergewöhnliche Form des Films Cathedrals of Culture lässt die Architektur des Hauses selbst sprechen und zeigt dessen faszinierenden Alltag. Das Centre Pompidou erinnert sich an seine Entstehung und gewährt einen spannenden Blick hinter die Kulissen.

Centro Botin, Foto: CC BY-SA 2.0

 

RENZO PIANO – AN ARCHITECT FOR SANTANDER
E 2019, 63 Min., OmU
Für die kleine Hafenstadt Santander an der Nordküste Spaniens hat Renzo Piano vierzig Jahre nach dem Centre Pompidou das Centro Botín konzipiert, ein schwebendes Gebäude, das im Licht badet. Eingehendes Wissen über Bautechnik verbindet sich in dem Film Renzo Piane – An Architect For Santander mit der Poesie der Landschaft. Der berühmte spanische Regisseur Carlos Saura dokumentiert das Projekt und diskutiert mit dem „Architekt des Lichtes“ über die Kunst, den kreativen Schaffensprozess und die soziale Funktion von Schönheit.

 


Di., 21. September 2021, 19:30 Uhr

Berlins Jüdische MuseumDANIEL LIBESKIND
BERLIN‘S JEWISH MUSEUM – A PERSONAL TOUR WITH DANIEL LIBESKIND
USA 2000, 58 Min., OF

DAS JÜDISCHE MUSEUM IN BERLIN – ZWISCHEN DEN ZEILEN
F 2002, 27 Min., DF

Das Jüdische Museum Berlin ist das größte jüdische Museum Europas. Es gibt den Besuchern einen Überblick über 1700 Jahre deutsch-jüdischer Geschichte, darunter Höhe- und Tiefpunkte der Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden in Deutschland.

Wie kann Geschichte anhand der Form eines Bauwerks gelesen werden? Dies ist das Ziel des US-amerikanischen Architekten Daniel Libeskind (*1946), der mehrere jüdische Museen in Europa und Nordamerika konzipierte. „Between the lines“ hieß der Entwurf zum Jüdischen Museum Berlin aus den 1990er-Jahren, konzipiert als Zick-Zack-Anbau aus Titanzink, der nur durch das alte Barockgebäude des Museums betreten werden kann. Der Besuch des Ortes wird zur physischen Erfahrung, bei der man sich desorientiert fühlt und Flure betritt, deren Ende man nicht sieht. Genau das intendierte Libeskind, der selber polnisch-jüdischer Herkunft ist.

Der Gang durchs Museum wird anhand der Details der Architektur ein Gang durch die deutsche Geschichte: ein graues Labyrinth, unerwartete Nischen und unübersichtliche Winkel, sorgfältig dosiertes, gedämpftes Licht. Das Jüdische Museum Berlin – von den Berlinern „Blitz“ genannt – ist das wohl erstaunlichste Gebäude des neuen Berlin. Wer denkt da nicht an Adornos These über die Unmöglichkeit, nach Auschwitz noch Gedichte zu schreiben? Der Bau des Architekten Daniel Libeskind warf zunächst eine Frage auf: Wie kann man dort bauen, wo alles zerstört wurde? Wie kann sich Architektur mit Geschichte auseinandersetzen
– und vor allem mit diesem Teil der Geschichte? Noch nie ist es gelungen, einen Bau zu konzipieren, der dem Widerspruch zwischen dem, was unbedingt gesagt werden muss und dem, was nie gesagt werden kann, in so vollkommener Weise Ausdruck verleiht.


Di., 28. September 2021, 19:30 Uhr

Contemporary Arts Center in Cincinnati, Foto: facebook

ZAHA HADID
A DAY WITH ZAHA HADID
USA 2004, 57 Min., OF
Das vielfältige Werk der irakisch-britischen Architektin Zaha Hadid (1950 – 2016) beeindruckt und überrascht durch atemberaubende, gewagte Strukturen. Der revolutionäre Umgang mit neuen Materialien ermöglichte Hadid eine innovative Architektur, bei der von der Vision bis zur Durchführung nichts unmöglich zu sein schien. Ihr Spitzname „The Queen of the Curve“ verrät das Merkmal ihres architektonischen Kosmos: fließende organische und geometrische Linien, die die Innen- und Außenräume ihrer Museumsbauten gliedern. Im Jahr 2003 widmete das MAK – Museum für Angewandte Kunst in Wien der Architektin eine große Ausstellung, durch die Hadid die Besucher*innen in Michael Blackwoods Film A Day With Zaha Hadid führt. Sie erzählt dabei über ihr Leben und stellt ihre wichtigen Kulturbauten vor, wie das Contemporary Arts Center in Cincinnati (2003) und das MAXXI in Rom (2009).

Feuerwehrhaus Weil am Rhein

Das Feuerwehrhaus Weil am Rhein, Foto: facebook

GEBAUTE VISION
D 1994, 45 Min., OF
Mit fein geschliffener Theorie und rasierklingenscharfer, kühner, kantiger Architektur hat sie es geschafft, ihren eigenen Standort zu definieren. Mit viel Durchsetzungsvermögen und Kalkül gewinnt sie Jurys für sich und damit einen Wettbewerb nach dem anderen. Gebaut wird zunächst nichts. Zaha Hadid gilt über 15 Jahre lang als die große „Ungebaute“ der Architekturgeschichte.

Und plötzlich das: Rolf Fehlbaum, Vorstand des Vitra Möbelkonzerns in Weil am Rhein, lässt Zaha Hadid ein Feuerwehrhaus für das Betriebsgelände bauen. Das war 1992. Das kristallartig geschliffene Gebäude macht Schule und so wird aus der „ungebauten Hadid“ die an der Spitze der Architekturwelt stehende Frau, überschüttet mit Aufträgen rund um den Globus. Die grenzenlose Vision Zaha Hadids und ihr Ruf als Architektin spektakulärer Bauten ist auch in Gebaute Vision zu spüren. Im Fokus dieses Dokumentarfilms steht ein konkretes Projekt: die Feuerwache in Weil am Rhein, ihr erster Auftrag aus dem Jahr 1993.