Die Verschwundene (Bundesstart)

  • Vorführungen:

    • Sa, 9. Oktober 2021 um 16:45 Uhr
    • So, 10. Oktober 2021 um 20:45 Uhr
    • Mo, 11. Oktober 2021 – Mi, 13. Oktober 2021 um 20:45 Uhr

    Unberechenbar und spannungsgeladen gelingt dem deutsch-französischen Regisseur Dominik Moll ein kühner Thriller. Sein pointierter Neo-Noir-Film entfaltet zwischen dem abgelegenen französischen Zentralmassiv und der flirrenden afrikanischen Elfenbeinküste stilistisch und erzählerisch ein einzigartiges Geflecht aus Liebesreigen und Kriminalstory. Brillant verschachtelt führt er, basierend auf dem Roman „Nur die Tiere“, durch ein Labyrinth.

    FILMKRITIK:

    Nach einem heftigen Schneesturm verschwindet Evelyne Ducat (Valeria Bruni Tedeschi) spurlos. Von der reichen Pariserin, die in der Gegend ein Ferienhaus besitzt, findet die Polizei nur noch das leere Auto. Die Beamten tappen im Dunkeln. Die einsame Serpentinenstraße, an der sie ihren Wagen finden, führt hinauf zu einer Reihe abgeschieden gelegener Bauernhöfe im französischen Zentralmassiv. Vor allem der eigenbrötlerische Ziegenzüchter Joseph (Damien Bonnard) wirkt verdächtig.

    Dass die unglücklich verheiratete Sozialarbeiterin Alice (Laure Calamy) ihm nicht nur zu helfen versucht, sondern eine Affäre mit ihm beginnt, macht die Sache nicht besser. Ihr Mann, der etwas ruppige Bauer Michel (Denis Ménochet), interessiert sich angeblich nur noch für seine Arbeit. Nächtelang sitzt er vor seinem Computer, um seine Buchhaltung zu machen. Doch der Schein trügt. Längst versucht er seiner Ehe zu entfliehen.

    Aber auch eine junge Frau namens Marion (Nadia Tereszkiewicz), die plötzlich in einem Wohnwagen campiert, scheint irgendwie in die Geschichte verwickelt zu sein. Tausende von Kilometern entfernt, in Abidjan, der größten Stadt der Elfenbeinküste, schlägt sich Armand (Guy Roger ‚Bibisse‘ N’Drin) durchs Leben. Er ist Vater einer kleinen Tochter. Ihre Mutter trennte sich von ihm. Durch einen reichen französischen Liebhaber hofft sie, ihrem Kind eine bessere Zukunft zu bieten.

    Aber Armand will nicht so schnell aufgeben. Er besucht den Schamanen Papa Sanou. Der soll die Götter für ihn gnädig stimmen, damit er ein großes Vermögen macht. So will er nicht nur seine kleine Familie zurückerobern, sondern auch eine Nacht ausgiebig feiern. „Der Zufall ist stärker als du“, orakelt Papa Sanou. Armand freilich nutzt die moderne Technik, um seinem Glück auf die Sprünge zu helfen. Per Internet landet er gewieft einen nicht legalen Coup. Damit löst der geschickte Cyberkriminelle eine weitere Kettenreaktion aus. Die Folgen reichen bis in das abgelegene französische Bergdorf.

    Indem der deutsch-französische Regisseur Dominik Moll nach Rashomon-Vorbild die Geschichte seines kühnen Thrillers aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, baut er hypnotische Spannung auf. Während es jedoch in Kurosawas Kultfilm drei verschiedene Interpretationen der gleichen Story gibt, existiert in Molls Thriller lediglich eine gültige Version. Sie erschließt sich dem Zuschauer nur nach und nach. Denn die Sichtweisen der Protagonisten sind unvollständig und überschneiden sich. Zudem spielen sie nicht immer im gleichen Zeitraum, sondern manchmal in Rückblenden. Die komplexen Teile des Puzzles zusammenzusetzen sorgt bis zum Schluss für überraschende Wendungen.

    Luitgard Koch (Programmkino.de)