Djelem Djelem – 6. Dortmunder Roma Kulturfestival: Just the Wind (Eintritt frei)

Vorführungen:

  • So, 15. September 2019 um 19:00 Uhr

Eintritt frei

Zum 6. Mal bringt das Festival „Djelem Djelem“ Alteingesessene und Neuzugewanderte zusammen. Die vielfaltigen Roma-Kulturen werden in Musik, Theater, Film und Tanz erlebbar gemacht, Diskussionen regen zum Meinungsaustausch an. Das Festival „Djelem Djelem“ mit über 30 beteiligten Partnern setzt ein deutliches Zeichen gegen jahrhundertealte Vorurteile, gegen Antiziganismus und neu belebte Feindbilder. Es wirbt für ein unverkrampftes Miteinander und den kulturellen Austausch. Das sweetSixteen-Kino steuert das Filmprogramm hinzu.

Die Nachricht verbreitet sich in Windeseile: In einem ungarischen Dorf wurde eine Roma-Familie ermordet. Die Täter sind entkommen, niemand will eine Ahnung davon haben, wer das Verbrechen begangen hat. Eine andere Roma-Familie, die nahe dem Tatort lebt, sieht sich in ihrer latenten, mühsam verdrängten Angst bestätigt. Der Vater ist weit weg in Kanada; er möchte seine Frau, die Kinder und den Großvater nachholen, sobald es ihm möglich ist. Die Familie, von rassistischem Terror bedroht und von einer schweigenden Mehrheit im Stich gelassen, versucht den Tag nach der Tat zu überstehen. Und abends, als die Dunkelheit über das Dorf hereinbricht, rückt man im Bett noch enger zusammen als sonst. Doch die Hoffnung, dem Wahnsinn zu entkommen, erweist sich als trügerisch.

Ausgehend von einer realen Mordserie, der in Ungarn in wenig mehr als einem Jahr acht Menschen zum Opfer fielen, schildert Bence Fliegauf die Pogromstimmung, aus der Gewalt gegen Minderheiten entsteht. Die Kamera haftet sich eng an die Fersen der Figuren und macht ihre zunehmende Atemlosigkeit auch physisch erfahrbar.

„Was für ein Film! „Csak a szél – Just The Wind“ nimmt einem von der ersten Sequenz an den Atem; man kann sich nicht mehr zurücklehnen, kann nicht mehr wegsehen. Man will auch nicht mehr „Roma“ sagen, so als wäre dieses Volk einzig eine Masse. Bence Fliegauf gibt ihnen viele verschiedene Gesichter, schöne wie hässliche, die uns indes alle anschauen voller Angst. Der Regisseur zeigt die Armut, ohne sie durch Klischees herabzusetzen; er respektiert ihr Leben – und er fühlt ihre Angst, macht sie ohne Pathos, ohne Einsatz irgendwelcher Thrills physisch spürbar allein in der Körperhaltung seiner Protagonisten.
Fliegauf evoziert die Bedrohung, Lebensgefahr allein in den Blicken, die sich auf die Roma richten – den Blicken der Kamera wie jenen der Nachbarn in Pogromlaune. Mit den Bedrohten, den Gejagten geht er deren Wege. Als könne es keine andere Filmsprache geben für diesen Stoff; das hier ist Kinematographie in Vollendung: ästhetisch zwingend.“ Anke Westphal in der Frankfurter Rundschau