Helmut Newton – The Bad and the Beautiful (Doku) (Bundesstart)

  • DE 2020
  • 89 Min
  • Regie: Gero von Boehm
  • FBW Prädikat besonders wertvoll
  • Doku: Originalfassung mit deutschen Voiceover und ggf. Untertiteln
  • offizielle Filmseite
helmut newton

Vorführungen:

  • Do, 29. Oktober 2020 – Sa, 31. Oktober 2020 um 17:00 Uhr

Anlässlich des 100. Geburtstags von Helmut Newton am 31. Oktober 2020 erzählt Gero von Boehm die bewegte und bewegende Lebensgeschichte des in Berlin geborenen – und dort begrabenen – jüdischen Starfotografen, der 1938 vor den Nationalsozialisten über Triest und Singapur nach Australien floh. Dort lernte Newton seine spätere Ehefrau June kennen und fotografierte ab den 1950er Jahren für verschiedene internationale Ausgaben der „Modebibel“ Vogue.

HELMUT NEWTON – THE BAD AND THE BEAUTIFUL wirft einen besonderen Blick auf sein nicht unumstrittenes Werk, in dessen Zentrum stets der weibliche Körper stand – bekleidet oder nackt. Mit seinen oft provozierenden Aufnahmen von Frauen hat Helmut Newton die internationale Mode-, Werbe-, Porträt- und Akt-Fotografie entscheidend geprägt.

In dem Dokumentarfilm kommen – außer dem legendären Fotografen selbst – ausschließlich Frauen zu Wort, darunter Claudia Schiffer, Hanna Schygulla, Charlotte Rampling, Grace Jones, Nadja Auermann, Isabella Rossellini, Marianne Faithfull, US-Vogue- Chefredakteurin Anna Wintour, seine Ehefrau June Newton, aber auch Publizistin Susan Sontag als Newton-Kritikerin

HELMUT NEWTON – THE BAD AND THE BEAUTIFUL zeigt den Großmeister der Fotografie sowohl bei der Arbeit als auch in privaten Situationen. Zu sehen sind Film- und Tondokumente, die zu Lebzeiten Helmut Newtons entstanden. Für den Dokumentarfilm hat Gero von Boehm uneingeschränkten und exklusiven Zugang zum Archiv der Helmut Newton-Stiftung erhalten.

FILMKRITIK:
Vor 16 Jahren starb Helmut Newton in seiner Wahlheimat Los Angeles, nicht etwa an Altersschwäche, auch wenn er damals schon 83 Jahre alt war, sondern durch einen ganz profanen Autounfall. Inzwischen ist ihm in seiner Geburtsstadt Berlin ein Großteil des Museums für Fotografie gewidmet, in dem der Besucher über der Freitreppe die wohl berühmtesten und auch umstrittensten Bilder Newtons sehen kann: die Big Nudes. Überlebensgroße schwarz-weiß-Aufnahmen nackter Frauen. Ohnehin die Frauen, meist nackt oder zumindest leicht bekleidet. Ohne sie wäre Newtons Werk nicht vorstellbar, fraglos auch nicht das von vielen anderen berühmten, fast immer männlichen Fotografen, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu Ruhm kamen und die Ära der Supermodels mitbegründeten und prägten.

Ob ein Fotograf wie Helmut Newton, der sich selbst als „professioneller Voyeur“ bezeichnete, in der heutigen Zeit noch Erfolg haben könnte? Wäre es möglich, für die Hochglanz-Magazine der Modewelt Fotostrecken zu inszenieren, in denen Frauen als Lustobjekte inszeniert werden, oft gefesselt und mit verbundenen Augen, in denen sie zwar bisweilen Rollen einnehmen, in denen sie in Kontrolle zu sein scheinen, die dabei aber doch immer männliche Phantasien bedienen?
Diese Fragen verlangen gestellt zu werden, wenn man sich im Jahre 2020 mit Helmut Newton und seiner Kunst beschäftigt. Auch Gero von Boehm, der im Laufe seiner langen Karriere zahllose Porträts über Berühmtheiten für deutsche Fernsehsender gedreht hat, kann ihnen nicht ausweichen, hakt sie aber eher pflichtbewusst ab. Da muss es schon reichen, dass das ehemalige Model Isabella Rossellini Newton von jeglicher Misogynie freispricht.
Auch sie fotografierte Newton, wie so ziemlich jede andere schöne Frau seiner Zeit, die er mit seinem altmodischen Charme becircte und dazu brachte, jede noch so absurd wirkende Idee umzusetzen. Neben Rossellini kommen Models und Schauspielerinnen wie Claudia Schiffer, Charlotte Rampling oder Grace Jones zu Wort, die sich mit viel Sympathie und Nostalgie an Foto-Shootings erinnern, die dazu beitrugen, sie zu den Ikonen zu machen, die sie sind. Auch Anna Wintour kommt zu Wort, die Chefredakteurin der amerikanischen Vogue, die wusste, dass sie von Newton Aufsehen erregende Fotostrecken bekommen würde, wenn sie ihm einen Auftrag und praktisch unbegrenzte Mittel gab.

„Filme über Fotografen sind langweilig“ sagt Helmut Newton gleich zu Beginn in einer Aufnahme, die Gero von Boehm für eine ältere Fernsehsendung gemacht hat, man würde immer nur Lobesreden hören. Genau das ist dann auch „Helmut Newton – The Bad and the Beautiful“ geworden, eine beflissentliche, gefällige Dokumentation, die Leben und Werk ihres Sujets nachzeichnet und dabei ganz von der Strahlkraft ihres Subjekts lebt. Bei einer überlebensgroßen Figur wie Helmut Newton, der die Modefotografie des 20. Jahrhunderts mitprägte wie kaum ein Zweiter, der alle und jeden kannte und vor der Kamera hatte, kann man als Regisseur wenig falsch machen.

Michael Meyns (Programmkino.de)

HELMUT NEWTON – THE BAD AND THE BEAUTIFUL ist auch für Schulvorstellungen buchbar.

Im regulären Programm läuft die Doku „Helmut Newton – The Bad and the Beautiful“, der im Zeitraum vom 30. Mai bis zum 14. Juni auch für Schulvorstellungen gebucht werden kann. Ebenfalls als Schulvorstellung buchbar ist die Doku „I am Greta“ ab dem 27. Mai.

Eintritt je Film für Schüler*innen: 4 Euro.

Kontakt: info@sweetSixteen-Kino.de – Bitte geben Sie ihr Wunschdatum, Uhrzeit und die Anzahl der Schüler*innen und Klassen an, sowie Name und Rufnummer zur Kontaktaufnahme. Danke.