Hope (Bundesstart)

Vorführungen:

  • Do, 25. November 2021 – So, 28. November 2021 um 19:00 Uhr
  • Mo, 29. November 2021 um 19:00 Uhr

Darsteller: Andrea Bræin Hovig, Stellan Skarsgård, Elli Müller Osborne.

Schwedens übercooler Schauspiel-Star Stellan Skarsgård gibt den unterkühlten Künstler, dessen Partnerin kurz vor Weihnachten die fatale Diagnose bekommt: Hirntumor, unheilbar. Das Drama erzählt weniger eine gängige Krankheitsgeschichte, vielmehr wird der Krebs zum Katalysator, sich über die gerne verdrängten Probleme der langjährige Beziehung Gedanken zu machen. Die Krise als Chance: nicht umsonst dieser Titel! Auf der Berlinale gab es dafür den 3. Platz beim Panorama Publikumspreis, Schweden hofft mit „Hope“ auf einen Oscar. Der wie immer grandiose Stellan Skarsgård hat allemal jeden Preis verdient.

FILMKRITIK:

„Nach einer wahren Geschichte“ verheißt der Vorspann. Tatsächlich ist es die Geschichte der Regisseurin und Autorin selbst. Die Norwegerin Maria Sødahl erzählt von ihrer Krankheit sowie dem Umgang mit der fatalen Diagnose. Und sie berichtet autobiografisch von Szenen einer Ehe mit dem Filmemacher Hans Petter Moland („Erlösung“). Im Film wird aus dem Paar die Choreografin Anja Richter (Andrea Bræin Hovig) und der Theaterregisseur Tomas (Stellan Skarsgård). Eine Heirat hat sich nie ergeben, die Familie besteht aus einer gemeinsamen Tochter im Teenageralter, zwei kleinen Söhne sowie drei erwachsenen Kinder aus einer vorigen Beziehung des Mannes.

Einen Tag vor Weihnachten bekommt Anja völlig überraschend die schreckliche Diagnose: Gehirntumor, der unheilbar ist. Den Lungenkrebs hatte die Künstlerin im Jahr zuvor besiegt geglaubt, nun sorgen Metastasen für den neuen Schicksalsschlag. „Ich habe es immer gefühlt“, sagt sie ihrem Partner, der so schockiert ist, das er nicht mehr weiß, wo er vor dem Krankenhaus geparkt hat. Den Kindern will die Mutter die schrecklichen Neuigkeiten verschweigen, schließlich ist Weihnachten. „Du musst mich nicht lieben, weil ich sterbe. Aber ich muss wissen, ob du mir hilfst“, fordert sie von Tomas. Dies ist erst der Anfang einer ebenso langen wie unerbittlichen Reflektion über die langjährige Beziehung des Paares, bei der vieles offenkundig verdrängt und verschwiegen wurde.

Elf Tage begleitet das intime Drama die Heldin von der ersten Diagnose bis zur möglichen, lebensrettenden Operation. Vollgepumpt mit Medikamenten, verliert Anja bisweilen die Orientierung. Dass während der Feiertage jene dringend benötigten Fachärzte nicht verfügbar scheinen, sorgt für eine schier kafkaeske Stimmung. Vor allem aber macht der Choreografin zu schaffen, dass sie sich ihrer Beziehung zu Tomas so unsicher ist wie nie zuvor. „Wir haben nicht das gleiche Leben gelebt“, zieht sie die bittere Bilanz. Später plagen sie Zweifel an der Treue des Partners. Als Tomas vorschlägt, an Neujahr die Heirat nachzuholen, reagiert Anja zunächst irritiert. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, auch was das Potenzial dieser scheinbar zerrütteten Beziehung betrifft. „Ich wusste nicht, dass du existierst“, wird die neue Bilanz von Anja klingen.

Regisseurin Maria Sødahl weiß, wovon sie erzählt. Schließlich handelt es ich um ihre eigene Geschichte, diese Wahrhaftigkeit ist in jeder Szene und jedem Dialog spürbar und sie verleiht dem Drama eine ganz besondere Komponente. Formal setzt sie bei der Inszenierung auf bewusste Schlichtheit, fast fühlt man sich wie in einem „Dogma 95“-Film: Keine Ausleuchtung. Keine Kulissen. Kein Soundtrack, der auf die Tränendrüsen drückt. Stattdessen die klare Reduktion auf das Wesentliche. Sei es bei den rigorosen Reflektionen des Paares über ihre langjährige Beziehung. Oder bei jener Professionalität des medizinischen Betriebs, bei dessen Räderwerk bisweilen die Empathie für die Patienten verloren geht.

Mit der Norwegerin Andrea Bræin Hovig und dem Schweden Stellan Skarsgård gerät die Besetzung zum Glücksfall. Beide Figuren sind nicht unbedingt die ganz großen Sympathieträger. Die chronische Gereiztheit, die vielfachen Vorwürfe, die melancholische Grundstimmung machen den Zugang nicht gerade einfach. Doch dem Schauspiel-Duo gelingt es mit meisterhaftem Facettenreichtum und großer Glaubwürdigkeit, das Publikum auf dieser existenziellen Reise mitzunehmen. Gewiss kein Feelgood-Movie, aber ein ambitioniertes Arthaus-Drama der nachhaltigen Art, das sich lohnt – nicht nur wegen Stellan Skarsgård.

Dieter Oßwald (Programmkino.de)

Trailer folgt in Kürze