Kleine Germanen (Doku) (Bundesstart)

Vorführungen:

  • Do, 9. Mai 2019 – Sa, 11. Mai 2019 um 17:00 Uhr
  • Di, 14. Mai 2019 – Mi, 15. Mai 2019 um 18:30 Uhr
  • Mo, 20. Mai 2019 – Mi, 22. Mai 2019 um 17:00 Uhr

KLEINE GERMANEN macht in einer ungewöhnlichen Verbindung aus Dokumentar- und Animationsfilm auf ein kaum aufgearbeitetes Problem unserer Gesellschaft aufmerksam, das mit Blick auf die rechten Gewaltausschreitungen der letzten Zeit aktueller denn je ist: Kinder, die in einem demokratiefeindlichen Umfeld aufwachsen und nach dogmatischen Prinzipien rechtsextremer Ideologie erzogen werden.

Der Dokumentarfilm blickt aber auch über die traditionellen Strukturen rechtsextremer Gruppierungen hinaus in einen Teil unserer Mittelstandsgesellschaft, der immer stärker von rechtspopulistischen Strömungen geprägt ist – und konfrontiert den Betrachter mit Protagonisten, die ihre Kinder im Geist einer demokratiefeindlichen Welt erziehen. Die Animationsgeschichte zieht sich als „roter Faden“ durch den Film und erzählt das tragische Leben der persönlich betroffenen Elsa nach: Als Kind hat sie mit dem geliebten Opa Soldat gespielt. Mit ausgestrecktem rechten Arm hat sie „Für Führer, Volk und Vaterland!“ gerufen und war ganz stolz darauf. Heute blickt sie auf eine Kindheit zurück, die auf Hass und Lügen gebaut war und versucht zu verstehen, was diese Erziehung aus ihr und ihren eigenen Kindern gemacht hat.

FBW Prädikat besonders wertvoll

Aus der Jurybegründung: „„Islamfreie Schulen“, „Kinder Willkommen“, „Neue Deutsche? – Machen Wir Selber!“. Diese und ähnliche Sprüche finden sich auf den Wahlplakaten rechter Parteien. Was wirklich dahinter steckt, und vor allem, wie eine Kindheit in einem extrem rechtsextremen Haushalt vorzustellen ist, das versucht KLEINE GERMANEN aufzudecken.

Äußerst feinfühlig arbeitet sich der Dokumentarfilm von Mohammad Farokhmanesh und Frank Geiger an das Thema heran. Dafür erzählt er die Lebensgeschichte von Elsa. Angefangen von ihrem Spiel mit dem Großvater über ihre eigene Familiengründung, bis hin zur Loslösung aus rechtsextremen Zusammenhängen ist ihre Biographie von generellem Misstrauen, Fremdenfeindlichkeit und Ängsten geprägt. Das ist eine Feststellung, die betroffen macht. Weil Menschen des rechten Spektrums sich im öffentlichen Leben durch fremde Kulturen und linke Einflüsse bedroht fühlen, scheint es naheliegend, dass sie sich ausschließlich auf eigene Peergroups verlassen, sei es die Familie oder eine rechtsextreme Gemeinschaft.

KLEINE GERMANEN folgt einem interessanten, dramaturgischen Konzept. Durch seine Einfühlsamkeit gelingt es dem Dokumentarfilm, ein Gespür für das Klima in diesen Peergroups zu vermitteln. Dem durch die Ängste entstehenden Druck von außen wird ein innerer Druck entgegen gesetzt. Diskurse sind alleine dadurch beinahe unmöglich. Mohammad Farokhmanesh und Frank Geiger gelingt es, genau durch genau diese Beobachtungen und Feststellungen Sympathie für die Kinder und Jugendlichen innerhalb dieser Systeme zu entwickeln.

Fehlende Bilder – sei es, weil Bildmaterial schlichtweg fehlt, sei es zum Schutz betroffener Kinder vor der Öffentlichkeit – weiß KLEINE GERMANEN dabei durch liebevoll gestaltete Animationssequenzen zu ergänzen. Alle „hard facts“ werden dagegen zumeist eingesprochen oder von Eltern oder Erziehern der rechten Szene in Interviews gegeben. Das Interessante: Nicht jedes Statement ist dabei per se zu verdammen. Fehlende Zeit für Kinder, die Digitalisierung der Lebenswelt und viele Themen mehr sind allgemein kommunizierte Problematiken. Immer wieder konnten die Jurymitglieder entdecken, wie sie auch ihren eigenen Standpunkt bezüglich der angesprochenen Problematiken hinterfragten, immer wieder aber konnten sie auch entdecken, dass eben nicht einzelne Argumente zu hinterfragen sind, sondern die demokratiefeindliche Haltung, die hier entsteht oder bei den Sprechenden ganz klar zu beobachten ist.

Die durchaus berechtigte, aufkommende Frage, ob Teile oder einzelne Motive des Films auch von rechtsextremer Seite missbraucht werden könnten, diskutierte die Jury ausgiebig. Immerhin bildet der Film, aufgrund seiner mitunter zarten Töne, eine durchaus romantisierende Vorstellung von Familie ab. Allerdings, so die eindeutige Antwort der Jury, berichtet der Film in seiner vollen Länge eindeutig über das Erwachsenwerden in sektenähnlichen Strukturen, die auf ein Leben aus Hass und Lügen vorbereiten.

KLEINE GERMANEN zeigt auf ganz subtile Weise, wie es ist, in einer Welt aufzuwachsen, in der nicht Liebe, sondern der Stolz auf die Deutsche Nation propagiert wird. Dabei ist KLEINE GERMANEN definitiv kein Agitationsfilm, sondern der feinfühlige Versuch zu verstehen, wie eine Kindheit in rechten Gruppierungen aussieht und was diese Gruppierungen zusammenhält. Mit ihrer Verbindung aus Dokumentar- und Animationsfilm gewähren Mohammad Farokhmanesh und Frank Geiger Einblicke in die umfassenden Strukturen von Familien im rechten Spektrum, die vielleicht nie so explizit und so erschütternd gezeigt wurden.“


Eine Veranstaltung im Rahmen der Unterzeichnung der ERKLÄRUNG DER VIELEN NRW. Weitere Infos: Die Vielen NRW.