Landretter (Doku) (Bundesstart)

  • DE 2019
  • 83 Min
  • Regie: Gesa Hollerbach
  • FSK: ab 0 Jahren
  • Doku: Originalfassung mit deutschen Voiceover und ggf. Untertiteln
  • offizielle Filmseite

Vorführungen:

  • Do, 1. Juli 2021 – So, 4. Juli 2021 um 17:00 Uhr
  • Mo, 5. Juli 2021 um 17:00 Uhr
  • Mi, 7. Juli 2021 um 21:00 Uhr

Konzentration von Agrarland, Strukturwandel, Landflucht – unser Landleben wird sich in den kommenden Jahrzehnten massiv verändern. Schon jetzt kämpfen viele Dörfer ums nackte Überleben und ganze Landstriche steuern der gezielten Verödung entgegen. Aber gibt es tatsächlich keine Perspektiven mehr?

Karin Berndt ist parteilose Bürgermeisterin von Seifhennersdorf, einst das größte Industriedorf der ehemaligen DDR. Seit der Wende hat der Ort mehr als die Hälfte seiner 10.000 Einwohner verloren und so stehen viele Häuser, Fabriken und Geschäfte inzwischen leer. Als das Bildungsministerium auch die Mittelschule schließen will, regt sich Widerstand: „Die Willkür, mit der die Behörden hier agieren, hat bei uns Wut und Fassungslosigkeit ausgelöst“, sagt Karin Berndt. Aus Protest fassen Eltern und Bürgermeisterin schließlich einen tollkühnen Plan: sie verklagen den Freistaat Sachsen und betreiben die Schule mit Hilfe von pensionierten Lehrern illegal weiter. Ein verzweifeltes Signal an den Rest der Republik und ein Hoffnungsschimmer für Karin Berndt, denn sie hat längst begriffen, dass man manchmal zu ungewöhnlichen Mitteln greifen muss.

Durch den Vormarsch der Agrarfabriken macht sich in der Landwirtschaft ein großer Wandel bemerkbar. Die Folgen der sogenannten Landkonzentration sind besorgniserregend, denn neben der schwindenden Artenvielfalt stehen auch die sozialen Strukturen auf dem Spiel – gefolgt von einer Abwärtsspirale aus Landflucht, Überalterung, Verödung und Leerstand. Ein Kreislauf, der nur schwer zu stoppen ist, aber genau das hat sich Maria Heubuch vorgenommen. Eigentlich ist sie Bäuerin und bewirtschaftet im Allgäu einen kleinen Familienbetrieb. Doch seit sie im Jahr 2014 als Abgeordnete für die Grünen ins Europäische Parlament gewählt wurde, hat sich ihr Leben von Grund auf verändert. „Land-grabbing ist nicht länger ein fernes afrikanisches oder asiatisches Problem, es ist vor unserer Haustür angekommen. Nur bekommt das die Öffentlichkeit in Europa kaum mit.“ Maria Heubuch will ihr Mandat nutzen, um das zu ändern.

„Der Weg zu den Sternen führt aufs Land“, sagt Astronom Günther Wuchterl. Aber auch in ländlichen Gebieten wird es mittlerweile immer schwieriger, ungetrübt ins Firmament zu blicken, denn auch hier nimmt die Lichtverschmutzung rasant zu. Ein Ort, der der steigenden Lichtflut bislang erfolgreich getrotzt hat, ist Großmugl. In dem verschlafenen Nest in der Nähe von Wien ist es sagenhaft dunkel, so dass man nachts mit bloßem Auge die Milchstraße und bis zu 5.000 Sterne sehen kann. Um diesen einmaligen Status Quo zu bewahren, will Günther Wuchterl den Himmel von Großmugl als Weltkulturerbe von der UNESCO anerkennen lassen. Keine einfache Angelegenheit, denn der Schutz des Sternenhimmels ist Neuland – es wäre das erste Mal in der Geschichte der UNESCO überhaupt.

Der Film „Landretter“ spürt unterschiedlichen gesellschaftlichen Phänomenen nach, die der Strukturwandel auf dem Land mit sich bringt und macht ihn auf verschiedenen Ebenen greifbar. Der Film spiegelt humorvoll und bisweilen dramatisch wieder, was dem Niedergang auf dem Land entgegengesetzt werden kann. Dabei erzählt er letztlich eine zutiefst europäische Geschichte – denn in ganz Europa stehen die Menschen auf dem Land vor vergleichbaren Herausforderungen.