Martha: A Picture Story (OmU) (Bundesstart)

  • USA/AU 2019
  • 82 Min
  • Regie: Selina Miles
  • FSK: keine Angabe
  • Originalfassung mit deutschen Untertiteln (OmU)

Vorführungen:

  • Mi, 1. Dezember 2021 um 21:00 Uhr

Präsentiert von Blackstreets-Magazine & Rotzfrech Cinema.

Mit: Martha Cooper, 1UP, Os Gêmeos, Akim Walta, Carlos Rodriguez, Doze Green, Skeme, Jay Edlin u.a.

Als in den 70er Jahren die Bronx brannte, wollte niemand sagen, dass Graffiti interessant wären. Aber Martha Cooper arbeitete damals als Fotojournalistin für die „New York Post“ und scherte sich nicht darum, was erlaubte Kunst war. Sie dokumentierte den Alltag der Menschen, und vor allem die Hip-Hop- und Graffiti-Bewegung. Ihr überquellendes Privatarchiv zeugt von ihrer Passion für die Leute, die diese Kultur lebten. Inzwischen ist sie der Star der Szene, die „Königin der Street Art“.

Mit ihrer Wertschätzung der illegalen Kunstwerke machte sie sich nicht nur Freunde. Den Fotoband „Subway Art“, den sie gemeinsam mit Henry Chalfant erstellte, wollte erst kein Verlag herausgeben. Das Buch floppte und Martha Cooper war gezwungen, sich anderen Geschichten zuzuwenden. Doch dann verhalfen ihre Fotos der Urban-Art-Bewegung zum Durchbruch. Der Kunstband zählt zu den meistverkauften – und wohl meistgeklauten – Kunstbänden weltweit.

Mit 75 Jahren ist Martha Cooper immer noch abenteuerlustig. Aber die Kultur, in der sie sich nach wie vor mit Vorliebe bewegt, hat sich verändert. Die kleine Community, die einst als Gegenbewegung entstanden ist, hat sich zu einer kommerziellen Industrie entwickelt, angetrieben durch den Hype in den sozialen Medien. Jedes neue Stück Street Art wird sofort hochgeladen und Selfie-gierige Menschen versammeln sich vor den populären Werken.
Die Street-Art-Legende Martha Cooper behauptet ihren Platz in dieser neuen Welt, immer getrieben von ihrer Suche nach der Kreativität, die die Menschen aus ihrer meist schwierigen Lebensrealität heraustreten lässt.

“I’m not comfortable with the idea that I’m a legend or an icon”

Martha Cooper ist keine Legende oder Ikone. Es ist viel einfacher, viel schöner: Martha Cooper ist eine Fotografin, die es geschafft hat, sich ihre Flamme im Herzen bis heute zu bewahren.

Ihre Fotos sind charakteristisch, auf den Moment fokussiert. Es sind Schnappschüsse und Momentaufnahmen, getrieben von Neugier und Leidenschaft. Sie entstehen in Situationen und im Umgang mit Menschen. Und genau darum geht es: Ungetrübte Perspektiven, ohne Filter und Inszenierung. Der rohe, aufs Wesentliche reduzierte Blick – aus Interesse am ‚echten‘ Bild und aus Wertschätzung gegenüber ihrem Motiv.

Begonnen hatte es im Jahr 1946, mit ihrer ersten Kamera. Rausgehen, um Fotos zu machen. Darum ging es schon damals, als sie mit ihrem Vater umherzog. Viele Jahre später, sie reiste um die Welt, arbeitete hier und dort, als Fotografin und für verschiedene Zeitungen und kam irgendwann an, im New York der 1970er Jahre. Die Stadt lag am Boden. Bezirke brannten, die Unterschiede waren groß, die Ungerechtigkeiten noch größer. Und dennoch, Martha Cooper fuhr umher, suchte in dieser Stadt ihre Bilder, die Menschen in ihren Vierteln, die Kinder und Jugendlichen, die trotz aller Widrigkeiten ihre Umgebung gestalteten und bespielten. Und mittendrin, junge Menschen, die ihre Namen malten. Tags, kleine Pieces oder Wholecars, Graffiti war überall, genau wie Martha. Sie fotografierte, unerlässlich und über viele Jahre. Unzählige Züge, Graffitis und Aktionen, alles hielt sie mit ihrer Kamera fest. Sie schuf ein Archiv, das seinesgleichen sucht und veröffentlichte 1984, zusammen mit Henry Chalfant, eines der bedeutendsten (und meistgeklauten und -kopierten) Bücher der Graffiti-Geschichte: Subway Art. Ob sie wollte oder nicht, spätestens jetzt war ihr ein Platz in den Graffiti-Memoiren dieser Welt sicher und ihr Weg zu einer der bekanntesten Straßenfotografinnen vorgezeichnet.

Und ja, sie fotografiert noch immer.

Selina Miles ist es zu verdanken, dass diese beeindruckende Geschichte und vor allem Martha Cooper, mit diesem Film eine Würdigung erhält, die ihr, ihrem Tatendrang und ihrer Leidenschaft gerecht wird. Dafür an dieser Stelle, Danke Selina.

Die Vorstellung ist Teil der deutschlandweiten Premiere von MARTHA: A PICTURE STORY, die ausgehend von Berlin zeitgleich in mehreren Städten stattfindet. Alle Informationen dazu findet ihr auf:

http://www.blackstreets-magazine.com