• NL 2020
  • 94 Min
  • Regie: Pim van Hoeve
  • FSK: keine Angabe

Vorführungen:

  • Sa, 21. Mai 2022 – So, 22. Mai 2022 um 15:00 Uhr
  • Sa, 28. Mai 2022 – So, 29. Mai 2022 um 15:00 Uhr
  • Sa, 4. Juni 2022 – So, 5. Juni 2022 um 15:00 Uhr
  • Sa, 11. Juni 2022 – So, 12. Juni 2022 um 15:00 Uhr

Darsteller: Matti Stooker, Samuel Beau Reurekas, Egbert Jan Weeber, Tygo Gernandt, Sarah Janneh


INHALT:

Der friedliche Alltag im kleinen Örtchen „Sandburghausen“ wird plötzlich umgekrempelt, als die Piratenfamilie „Donnerbüchsen“ mit ihrem Schiff in der Nachbarschaft vor Anker geht. Gemeinsam mit ihrem Octopus Freddy und dem Hai Roy sind sie auf der Flucht vor ihrem Erzrivalen Cornelius. Betsie und Hector, Sohn Billy und Großvater wollen endlich ein ehrliches Leben an Land führen.

Fernab von Raubzügen, schnapsdurchtränkten Nächten und wilden Abenteuern stellt sich das allerdings für die Piraten in dieser behüteten Umgebung als schwieriges Unterfangen dar. Trotzdem freundet sich Billy mit den Nachbarskindern Elizabeth und Michael an, und auch Hector und Betsie kommen mit den Leuten von nebenan gut zurecht. Nur dem mürrischen Herrn Dudley ist der Aufenthalt der Piraten ein Dorn im Auge und er versucht, sie loszuwerden. Als der durchtriebene Cornelius auftaucht und die Schatzkiste der Familie stiehlt, spitzt sich die Lage zu. Der Versuch, ehrlich Geld zu verdienen, misslingt. Diese Chance nutzt Cornelius, um die „Donnerbüchsens“ wieder auf das Meer zu locken. Doch Michael und Elizabeth lassen die Bande nicht so einfach davonziehen.

FILMKRITIK:
Die Donnerbüchsens sind eine fast normale Familie. Auf jeden Fall eine normale Piratenfamilie. Kämpfen, Rum trinken, Plündern – man macht halt, was Piraten so machen. Aber die Donnerbüchsens befinden sich nun auf der Flucht vor ihrem Erzfeind Cornelius. Darum zieht es sie ins beschauliche Örtchen Sandburghausen. Die Nachbarn schauen da ganz schön verdutzt aus der Wäsche, der junge Michiel freundet sich aber schnell mit dem jüngsten Donnerbüchsens an, während Cornelius der Piratenfamilie auf den Fersen ist.

Reggie Naus hat sich in seiner Heimat mit seinen Kinderbüchern einen Namen gemacht. Die Vorlage zu „Mein Freund, der Pirat“ erschien erstmals im Jahr 2011. Seitdem hat sich das Buch in den Niederlanden zum Erfolg gemausert, so dass zum Ende des Jahrzehnts auch Bemühungen langsam Früchte trugen, das Ganze filmisch umzusetzen. Der Film kam in den Niederlanden im Jahr 2020 in die Kinos und schlug sich trotz Pandemiebedingungen ganz gut. Es dauerte ein wenig, bis der Film einen deutschen Verleiher fand, weil man hierzulande auch nicht auf erfolgreiche Bücher als Starthilfe zurückgreifen kann.

Aber der verspielte Kinderfilm steht durchaus auf eigenen Beinen. Er lebt von dem wunderbaren Kontrast der recht klischierten Piraten – es gibt Rum zum Frühstück – mit dem miefigen Kleinstadtleben. Herrlich ist der Moment, als die Piraten einkaufen gehen. Unter Markt verstehen sie etwas anderes als einen Supermarkt. Und eine Bank ist etwas zum darauf sitzen, aber nichts, wo man Geld hinterlegen würde. Das ist amüsant, weil diese Form von „culture clash“ immer vergnüglich ist. Damit einher geht aber auch immer, dass die Neuen, die Anderen, von den Alteingesessenen abgelehnt werden. Und einige auch versuchen, die ungewöhnlichen Neuankömmlinge wieder loszuwerden. Auf spielerische Art und Weise befasst sich der Film so auch mit einer brandaktuellen Thematik, sind die Donnerbüchsens doch auch nichts anderes als Flüchtlinge, nur dass sie schillernder sind, als man das gemeinhin erwartet.

Natürlich ist die Botschaft holzhammerartig geboten, allerdings zielt sie ja auch nicht auf ein erwachsenes, sondern ein kindliches Publikum – und das mag daraus eine Lektion mitnehmen, die so manchem erwachsenen Begleiter auch gut zu Gesicht stehen würde.
In seiner Heimat war der Film so erfolgreich, dass schon im April 2022 der zweite Teil startet.

Peter Osteried (Programmkino.de)