Mir ist es egal, wenn wir als Barbaren in die Geschichte eingehen (mittwochs: OmU) (Bundesstart)

Vorführungen:

  • Do, 30. Mai 2019 – Fr, 31. Mai 2019 um 20:45 Uhr
  • Sa, 1. Juni 2019 – So, 2. Juni 2019 um 20:30 Uhr
  • Di, 4. Juni 2019 – Mi, 5. Juni 2019 um 20:30 Uhr

Eintritt mit 1 Euro Überlängenzuschlag.
Mittwochs in der rumänischen Originalfassung mit deutschen Untertiteln.

Die junge Regisseurin Mariana Marin plant eine groß angelegte, radikale Theateraufführung zu Rumäniens Beteiligung am Holocaust. Unter General Antonescu wurde der massive Antisemitismus in der rumänischen Gesellschaft zur offiziellen Vernichtungspolitik erklärt, seine Rolle und die seiner Regierung im Zweiten Weltkrieg wird aber bis heute glorifiziert. Vom damaligen Massenmord will niemand mehr etwas wissen. Mit einem Reenactment der damaligen Ereignisse soll das Theaterstück das Publikum aufrütteln, doch bereits vor der Premiere zeigen sich zahlreiche Probleme: es gibt Unmut unter den Komparsen, ein Abgesandter der Stadtregierung möchte das Stück zensieren und auch in Marianas Privatleben läuft nicht alles glatt. Die als Weckruf konzipierte Performance gerät Schritt für Schritt zur Farce…

Nachstellung militärgeschichtlicher Ereignisse – Hannah Arendt – Show – 1941, „das Jahr, das immer wiederkehrt“, aus der Perspektive des Jahres 2018 – Zitate – Schusswaffen – Archivmaterial – das Massaker von Odessa – 16 mm und Video – Militärhistorisches Museum – Negationismus – Videomapping – Burleske – Dialoge – Fanfare – Isaac Babel – fragmentierte Erzählung – Wenn die Soldaten durch die Stadt marschieren – Trivialisierung durch Vergleich – Drehbuch von Marschall Antonescu – Feuer – Regie Radu Jude – mit Ioana Iacob, Alexandru Dabija, Alex Bogdan – Kasernenwitze – normale Leute – nunca más! – gegenwärtige Vergangenheit, vergangene Gegenwart.

Radu Judes neuer Spielfilm findet einen ganz eigenen Ton für ein schwieriges Thema: die selektive Erinnerungspolitik im heutigen Europa. Zwischen Realität und Fiktion, zwischen dem Blick in moralische Abgründe und einer ironischen Leichtigkeit gelingt ihm eine facettenreiche Reflexion über Geschichtsvergessenheit. Ein Film, der auch das Scheitern von politischer Kunst thematisiert – und dabei als politisches Kunstwerk brilliert.

Pressestimmen

  • „Eine vielschichtige Parabel über Wahrheit und Täuschung mit viel Witz, ohne je den ernsten Hintergrund des Themas zu verraten.“ Süddeutsche Zeitung
  • „Jude zelebriert sein Kino hier mit einer schwebenden Wucht, die nichts mit bemühter Intellektualität zu tun hat.“ Jugend ohne Film
  • „Dialogreich, mutig strukturiert und stark gespielt.“ TV Movie
  • „Radu Jude nähert sich einem potenziell schweren Thema mit seinem üblichen ironischen Humor und seinem scharfen Auge für fehlerhafte, fehlbaren Menschen.“ Hollywood Reporter
  • „Eine schillernd dialektische und gewagte Komödie, die Vergangenheit und Gegenwart gekonnt zusammenbringt und uns immer wieder herausfordert, den unangenehmeren Aspekten unserer Geschichte zu stellen.“ Screen International