Mit eigenen Augen (Doku) – Filmpreview vor offiziellem Bundesstart (Bundesstart)

Vorführungen:

  • Do, 4. November 2021 um 19:00 Uhr

Als die ersten Beiträge bereits in Produktion sind, wird öffentlich, dass der Rechtsextremist Stephan E. als dringend tatverdächtig gilt, den CDU-Politiker Walter Lübcke erschossen zu haben. Das Journalistenteam reagiert auf die neue Situation und stellt die geplante Sendung kurzfristig um. Unter Zeitdruck beginnt eine aufwändige Recherche zum Thema Rechtsterrorismus, in deren Verlauf die Redaktion exklusive Informationen zum Tatverdächtigen erhält. Doch als ihre Berichterstattung in Frage gestellt wird, gerät die Produktion ins Stocken.

Der Film liefert einen differenzierten und einmaligen Einblick in die Realität und den Aufwand journalistischer Arbeit. MIT EIGENEN AUGEN eröffnet dem Publikum die Möglichkeit, die Bemühungen des Redaktionsteams um die Fakten im Zeitalter der großen Unübersichtlichkeit mitzuerleben. Und es bleibt ein Kraftakt, sich der Dynamiken medialer Hyperbeschleunigung zu entziehen.

REGIEKOMMENTAR MIGUEL MÜLLER-FRANK

„Was wir über die Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien“, schrieb der Soziologe Niklas Luhmann. Doch wenn wir etwas über die Welt, in der wir leben, verstehen wollen, müssen wir nicht nur die Nachrichten verstehen, sondern auch diejenigen, die sie gestalten.

Im Jahr 2016 begann ich, über die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten in Deutschland zu recherchieren. Schließlich konzentrierte ich meine Recherche auf die Arbeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks – aus der Überzeugung heraus, dass dieser für unsere Demokratie und freie Gesellschaft elementar ist. Wir brauchen eine unabhängige Berichterstattung, die sich emanzipieren sollte von Marktlogik und Konformitätsdruck. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat eine enorme Verantwortung. Das bedeutet für mich auch, dass Außenstehende sich ernsthaft mit ihm auseinandersetzen sollten.

Nach vielen Vorgesprächen und teilnehmender Beobachtung in verschiedenen öffentlich-rechtlichen Redaktionen, entschied ich, meinen Film auf die Arbeit von Monitor zu konzentrieren. Alle RedakteurInnen und MitarbeiterInnen willigten ein, sich über zwei Monate täglich von meinem Team und mir bei der Arbeit mit der Kamera beobachten zu lassen. Ich finde den Mut der Redaktion, ein solches Projekt zuzulassen, bemerkenswert. Gerade in Zeiten von Social Media-Hysterie und übervorsichtigen Kommunikationsstrategien bedeutender Institutionen.

Filmpreis NRW/ Aus der Jurybegründung:

„Der Dokumentarfilm MIT EIGENEN AUGEN von Miguel Müller-Frank zeigt anhand des Büroalltags beim WDR-Politmagazin Monitor, wie Nachrichten gemacht werden. Bei stetig steigendem Druck angesichts nahender Deadlines versucht die Redaktion, sowohl den eigenen Ansprüchen an kritischen Investigativjournalismus gerecht zu werden als auch der Konkurrenz im News-Wettbewerb einen Schritt voraus zu sein. Laura Emma Hansens Kamera beobachtet das hektischer werdende Geschehen durchgehend mit stoischer Ruhe. Dieser Kontrast ist so wesentlich wie die Tatsache, dass der Film die Büroräume nie verlässt. Die Konzentration gibt den Zuschauer*innen viel Raum und Zeit, redaktionelle Strukturen und Hierarchien zu erfassen. Wir dürfen uns, wie es der Titel verspricht, selbst ein Bild vom journalistischen Betrieb und seinen Bedingungen machen.“