Nicht ganz koscher – Eine göttliche Komödie (Bunndesstart)

  • DE 2022
  • 120 Min
  • Regie: Stefan Sarazin/Peter Keller
  • FSK: ab 0 Jahren
  • FBW Prädikat besonders wertvoll
  • offizielle Filmseite

Vorführungen:

  • Do, 4. August 2022 – So, 7. August 2022 um 18:45 Uhr
  • Mo, 8. August 2022 – Mi, 10. August 2022 um 18:45 Uhr
  • Do, 11. August 2022 – So, 14. August 2022 um 17:00 Uhr
  • Mo, 15. August 2022 – Mi, 17. August 2022 um 17:00 Uhr

DARSTELLER:

Luzer Twersky, Haitham Omari, Makram Khoury, Yussuf Abu-Warda,


AUS DEM INHALT:

Die Wüste Sinai. Ein verlorener orthodoxer Jude läuft eine leere Straße entlang. Im Off beginnt er die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft zu erzählen – seine Geschichte. Sie beginnt so: „Lieber Adel, es ist lange her, dass ich auf diese Reise ging und obwohl sie mein Leben beendete, war es das Beste, das ich je tat …
Rückblende. Alexandria, Ägypten. Nach dem plötzlichen Tod ihres zehnten Mannes kurz vor Pessach zählt die einst größte jüdische Gemeinde der Welt nur noch neun männliche Mitglieder und damit eines zu wenig, um nach jüdischem Gesetz den Gottesdienst abhalten zu können – sehr zur Freude des Chefs der Stadtverwaltung von Alexandria, denn einer alten Vereinbarung gemäß würden nach den nicht mehr regelkonform durchführbaren Pessachfeierlichkeiten Grund und Besitz der jüdischen Gemeinde an den ägyptischen Staat fallen.

Gaon, der Vorsteher der jüdischen Gemeinde, ist nicht bereit, sich diesem Schicksal kampflos zu ergeben. Sein Hilferuf erreicht Schwager Yechiel in Jerusalem allerdings nicht gerade im günstigsten Augenblick. Das Festtagsgeschäft ist in vollem Gange und ultraorthodoxer Familienbesuch aus New York im Anmarsch: Neffe Ben aus Brooklyn kommt offiziell zur Beendigung seines Torahstudiums, aber eigentlich soll er endlich unter die Haube. Der Heiratsvermittler ist schon geladen. Bisher war Ben allen Verkupplungsversuchen entkommen, hat er doch heimlich sein Herz an die weniger orthodoxe Toybe aus Mo’s Bagel Shop verloren, die er nach den strengen Regeln seines Glaubens niemals heiraten dürfte. Da trifft es sich gut, in „historischer Mission“ nach Ägypten entwischen zu können.

Doch Ben verpasst seinen Flug und entscheidet sich in völliger Weltfremdheit leichtfertig für den Landweg über den Sinai. Die Reise endet abrupt, als Ben nach heftiger Diskussion unter den arabischen Mitreisenden inmitten der Wüste Sinai aus dem Bus geworfen wird. Als ihn der mürrische Beduine Adel mit seinem klapprigen Pickup aufliest, stellt der ihm zwar bald in Aussicht, Ben ins entfernte Alexandria zu fahren, doch erst müsse er sein entlaufenes Kamel finden. Ben hat keine Wahl. Sein Unbehagen gegenüber dem undurchsichtigen Araber wächst, als sie die Straße verlassen und den Kamelspuren immer tiefer in die Wüste folgen. Adels Schroffheit und die Begegnung mit drei weiteren, wenig vertrauenserweckenden Beduinen veranlassen Ben zu einem Fluchtversuch mit Adels Gefährt, doch der missglückt kläglich. Kaum ist Adels Zorn verraucht, frisst sich kurze Zeit später auch noch der Kolben des Wagens fest, nicht zuletzt wegen Bens arglosem Wasserverbrauch.

Nun sind die beiden auf Gedeih und Verderb aufeinander angewiesen. Ein Zweitagesmarsch soll sie zu einer alten Wasserstelle führen. Zögerlich kommen sich der weltfremde Orthodoxe und der rauhe Beduine näher. Für Adel ist es eine schmerzliche Reise in die eigene Vergangenheit, für Ben eine in das Land seiner biblischen Vorfahren. Sie passieren ein geheimnisvolles, im Sand verwitterndes Boot, in dessen Schatten Adel aufgewachsen ist. Ben erfährt von Adels Familienzwist und seinem Hadern mit dem modernen Beduinenleben, Adel von Bens unerfüllter Liebe zu Toybe, die Ben zwar täglich anruft, ohne allerdings jemals ein Wort mit ihr gewechselt zu haben. Endlich an der Wasserstelle angelangt, kommt es durch beider Übermut und die morsche Brunnenkonstruktion zur Katastrophe, Ben und Adel stürzen in die Tiefe. Es wird Nacht, der Brunnen droht beider Grab zu werden. Um Ben nicht einschlafen zu lassen, versucht Adel das Gespräch am Laufen zu halten. Das Gespräch kommt auf die Religion, auf Gott, und beinahe nebenbei gelangen sie zu der nur scheinbar banalen Erkenntnis, dass sie den gleichen namenlosen Gott („No Name“) anbeten.

Nach einer Nacht im eisigen Wasser erscheint das nicht mehr für möglich gehaltene Wunder in Gestalt von Adels entlaufenem Kamel, mit dessen Hilfe sie sich tatsächlich befreien können. Ausgekühlt und von Fieber geschwächt, drängt Ben wider alle Vernunft darauf, das von Adel erwähnte Katharinen-Kloster am Berg Mose zu suchen, um seine Mission vielleicht doch noch erfüllen zu können. Adel kann Ben nicht von dem Wahnsinn abbringen und reitet, ihren Spuren folgend, zunächst verärgert davon, entscheidet sich dann aber doch, Ben nicht allein in sein Verderben laufen zu lassen. In den Schluchten des Sinai verlaufen sie sich jedoch endgültig. Am Ende ihrer Kräfte werden sie von einem Einsiedelmönch gefunden und zum griechischen Kloster gebracht. Während dem delirierenden Ben dort ein Krankenlager gerichtet wird, verbringt Adel die Nacht grübelnd auf dem heiligen Berg. Bei Sonnenaufgang hat er dann die vielleicht rettende Idee: Mit Kleidung und abgeschnittenen Schläfenlocken des bewusstlosen Ben sowie einem Begleitschreiben des Popen im Gepäck, macht er sich in Dienstwagen des Klosters eiligst auf den Weg nach Alexandria, denn bei Sonnenuntergang beginnt Pessach!

Als Ben in einer Mönchskutte erwacht, realisiert er nur langsam, wo er ist. Entsetzt bemerkt er seine fehlenden Schläfenlocken und beruhigt sich erst wieder, als ihm Adels Plan dämmert. Dieser eilt, buchstäblich in letzter Minute, in Bens Kleidern auf das Tor der jüdischen Gemeinde zu, wo die überrumpelten ägyptischen Polizisten, sehr zur Freude der Gemeindemitglieder, den seltsamen Juden letztlich ungläubig passieren lassen. Die Nachricht von Adels Ankunft erreicht den erleichterten Ben im Kloster. Der ägyptische Stadtverwalter nimmt die Nachricht seiner Niederlage mit unbewegter Miene hin, als plötzlich der Offizier vom Synagogentor erscheint und ihm triumphierend das Schreiben des Klosters präsentiert, das Adel als falschen Juden überführt.

Nachdem der Stadtverwalter den übereifrigen Polizisten wegbefördert und hinauskomplimentiert hat, zündet er sich sinnierend eine Zigarre an – und verbrennt dann fein lächelnd das belastende Dokument, das ihn zwar von der lästigen Gemeinde, zugleich aber auch von Gaon befreien würde, mit dem ihn nicht nur eine jahrzehntelange Hassliebe verbindet, sondern auch eine wöchentlich gepflegte Partie Schach im Gentlemen’s Club. Während Adel an der feierlichen Sedertafel der jüdischen Gemeinde bravourös versucht, seine völlige Unkenntnis der rituellen Gepflogenheiten zu verbergen, nimmt Ben im Kloster all seinen Mut zusammen und greift zum Telefon. Zaghaft beginnt er zum ersten Mal ein Gespräch mit seiner angebeteten Toybe.

Zeitsprung. Ben endet seine Erzählung und wir verstehen, dass sie von Anfang an an seinen ungeborenen Sohn gerichtet war, der den Namen seines besten Freundes Adel tragen wird. Das verfallene Schiff in der Wüste ist zu einem einfachen Restaurant, dem „No Name Restaurant“ umgebaut. In einer Art Fata Morgana – oder ist es am Ende ein wahr gewordener Traum? – sehen wir Juden, Christen und Moslems im sprichwörtlich „selben Boot sitzen“: Adel empfängt die Kamelkarawane seiner Familie, die schwangere Toybe bewirtet im Schatten des Bootes eine bunt zusammengewürfelte Reisegesellschaft. Ben, mit nachgewachsenen Locken und einer Kipa auf dem Kopf kocht am Oberdeck. Zufrieden begrüßt Adel die Gäste an der Tafel und wendet ein Holzschild am Eingang – aus „Adel‘s gegrilte Fish“ wird „Ben‘s gefilte Fish“ -, bevor auch er sich an den Tisch setzt


PREISE:

  • Bayrischer Filmpreis (Produzentenpreis) für Fritjof Hohagen von enigma Film
  • Lola Deutscher Drehbuchpreis für Stefan Sarazin und Peter Keller