***ENTFÄLLT*** Paris Calligrammes (Doku) (Bundesstart)

  • zzgl. Überlängenzuschlag
  • DE/FR 2019
  • 129 Min
  • Regie: Ulrike Ottinger
  • FSK: keine Angabe
  • Doku: Originalfassung mit deutschen Voiceover und ggf. Untertiteln
  • offizielle Filmseite

Vorführungen:

  • So, 8. März 2020 um 12:00 Uhr
  • So, 15. März 2020 um 12:00 Uhr
  • So, 22. März 2020 um 12:00 Uhr

*** VORSTELLUNG ENTFÄLLT ***
Laut Ordnungsverfügung des Landes NRW vom 15. März 2020 bleiben mit sofortiger Wirkung alle Kinos in NRW geschlossen – also auch das sweetSixteen-Kino in der Dortmunder Nordstadt. Weitere Infos siehe: Unser aktueller Stand


Ich war 20 Jahre jung und mit dem festen Ziel nach Paris gekommen, eine große Künstlerin zu werden“, so setzt die Erinnerung Ottingers ein. In PARIS CALLIGRAMMES stellt sie sich der Herausforderung, einen Film zu machen „aus der Perspektive einer sehr jungen Künstlerin, an die ich mich erinnere, mit der Erfahrung einer älteren Künstlerin, die ich heute bin“. In einem dichten Strom aus akustischem und visuellem Archivmaterial, verknüpft mit eigenen künstlerischen und filmischen Arbeiten, lässt Ottinger Saint-Germain-des-Prés und Quartier Latin mit ihren Literatencafés und Jazzkellern, die Begegnung mit Vertretern des jüdischen Exils, das Zusammenleben mit ihren Künstlerfreunden, die Gedankenwelt der Pariser Ethnologen und Philosophen, die politischen Umwälzungen des Algerienkrieges und des Mai 68 und das Erbe der kolonialen Zeit wieder aufleben. „Ich folgte den Spuren meiner Heldinnen und Helden“, erzählt Ottinger, „und wo immer ich sie fand, werden sie in diesem Film erscheinen.“

Viele von ihnen findet Ottinger im deutschen Antiquariat Librairie Calligrammes des jüdischen Exilanten Fritz Picard, der rund 25 Jahre zuvor vor den Nazis nach Frankreich geflohen ist. „Wie schräge Säulen, nur von guten Geistern festgehalten“ stapeln sich die Bücher in dem nach einer Gedichtsammlung von Guillaume Apollinaire benannten Laden, der neben den Cafés des Viertels zu Ottingers Wohn- und Lesezimmer wird, ein Stück Heimat in der Fremde. Die geteilte Liebe zur Literatur begründet eine Freundschaft, die ihren Ausdruck darin findet, dass Ottinger Picard auf seinen „Beutezügen“ begleitet, beim Ankauf von auf der Flucht zurückgelassenen Büchern, die damit das gleiche Schicksal teilen wie Picards 1938 in Berlin verbliebene Privatbibliothek. Doch vielen ihrer Heldinnen und Helden begegnet Ulrike Ottinger in der Librairie Calligrammes nicht nur auf dem Papier, sondern auch persönlich, weil Exilanten und französische Intellektuelle bei Picard ein- und ausgehen.

Davon erzählt das Gästebuch, in dem sich Annette Kolb und Paul Celan, Max Ernst und Jean Arp, Ré und Philippe Soupault und Walter Mehring verewigt haben. „Die Dadaisten begegneten den Situationisten, die Avantgarde der Weimarer Epoche ihren französischen Mitstreitern, mit denen sie den Gesprächsfaden dort wieder aufnahmen, wo er durch den Krieg gerissen war.“ Für Ulrike Ottinger wird die Librairie Calligrammes „ein Ort, an dem die Hoffnung aufschien, eine brutal aus den Angeln gehobene Welt wieder zusammenzubringen“, eine gelebte und belebte Utopie.

Mehr zum Film findet ihr hier im Presseheft Paris Calligrammes (PDF)