Vorführungen:

  • Do, 18. November 2021 – So, 21. November 2021 um 21:00 Uhr
  • Mo, 22. November 2021 um 21:00 Uhr
  • Mi, 24. November 2021 um 21:00 Uhr
  • Do, 25. November 2021 – Fr, 26. November 2021 um 21:00 Uhr
  • Sa, 27. November 2021 – So, 28. November 2021 um 17:00 Uhr
  • Mo, 29. November 2021 – Di, 30. November 2021 um 17:00 Uhr

CAST:
Mia: Luna Mwezi
Sandrine: Sarah Spale
Lola: Anouk Petri
Buddy: Delio Malär
Andre: Jerry Hoffmann
Serge: Thomas U. Hostettler
Gasser: Caspar Kaeser
Frau Bucher: Lea Whitcher
Frau Schuler: Esther Gemsch

PRESSENOTIZ
Ein sensationeller Kinostart mit mehr als 300.000 Kinozuschauern machte das bewegende
Drama zu einem der erfolgreichsten Filme in der Schweiz. PLATZSPITZBABY – Meine
Mutter, ihre Drogen und ich ist angelehnt an den gleichnamigen, autobiographischen
Bestseller von Michelle Halbheer und Franziska K. Müller, der Presse sowie Leserinnen
und Leser gleichermaßen begeisterte.
Regisseur Pierre Monnard erzählt die geradezu unglaubliche Geschichte angesiedelt
mitten im Züricher Drogenmilieu aus der Sicht eines 11-jährigen Mädchens, grandios
gespielt von Luna Mwezi, eine Neuentdeckung, deren enorme Leinwandpräsenz für
euphorische Kritiken sorgte. PLATZSPITZBABY – Meine Mutter, ihre Drogen und ich ist
ein Drama mit eindrücklichen Bildern, die einen mit voller Wucht mitten ins Herz treffen.

HINTERGRUND
Ende der 1980er-Jahre wurde ein kleiner Park beim Zürcher Hauptbahnhof, direkt hinter
dem Schweizer Landesmuseum, zum berühmt-berüchtigten Treffpunkt von Dealern und
Drogensüchtigen: der Platzspitz. Täglich hielten sich bis zu 3000 Menschen beim
Platzspitz auf, kauften und konsumierten Drogen und hausten auch dort. Und zwar unter
schlimmsten Bedingungen.
Das Elend der offenen Drogenszene, inmitten einer der reichsten Städte der Welt, rief
auch im Ausland Fassungslosigkeit und Abscheu hervor. Aufgrund des immer größer
werdenden Drucks durch Öffentlichkeit und Politik wurde der Platzspitz schließlich anfangs
1992 geräumt. Die offene Drogenszene und damit auch das Elend verlagerten sich darauf
zum nahegelegenen ehemaligen Bahnhof Letten und in die umliegenden Wohnquartiere.
Erst die Schließung des Lettens am 14. Februar 1995, verbunden mit einer neuen, national
koordinierten Drogenpolitik, führte zu einer spürbaren Entspannung der Drogensituation in
Zürich und zu einer Besserung der Lebensumstände der Süchtigen.

ANMERKUNGEN
PLATZSPITZBABY ist eine schier unglaubliche Geschichte, die schon beim Erscheinen
des gleichnamigen Buches für einigen Aufruhr sorgte. Zum ersten Mal erzählte jemand,
wie es war, als Kind im Drogenmilieu aufzuwachsen. Es ist eine Geschichte der
vergessenen Kinder. Vergessen von den eigenen drogensüchtigen Eltern und vergessen
von überforderten Behörden, die sich nach der Schließung der Drogenszene in Zürich
völlig unvorbereitet um Schwerstabhängige kümmern mussten, die plötzlich in ihren
beschaulichen Gemeinden auftauchten. Das Buch von Michelle Halbheer avancierte zum
Bestseller, die Zeitungen berichteten ausgiebig darüber. Während der
Drehbuchentwicklung trafen wir uns mehrmals mit Michelle Halbheer und führten intensive
Gespräche mit ihr. Dabei erzählte sie uns auch viele Geschichten, die in ihrem Buch nicht
vorkommen. Diese Gespräche bereicherten den Entwicklungsprozess ungemein und
halfen, eine packende und authentische Coming-Of-Age-Geschichte entwickeln zu
können.

PLATZSPITZBABY wird fast ausschließlich aus der Sicht der elfjährigen Protagonistin Mia
erzählt. Wir begleiten sie durch ihr Leben zu Hause, in der Schule und in der Freizeit mit
ihrer Clique und zeigen dem Zuschauer, wie sich Mia einem schweren Dilemma stellen
muss. So schwer, dass selbst viele Erwachsene damit überfordert wären: Wie viel bist du
bereit zu opfern, um eine geliebte Person zu retten? Dein ganzes Leben? Deine eigene
Existenz? Und wie lange kannst du zusehen, wie deine engste Bezugsperson sich selbst
zerstört, bevor du selber daran zerbrichst? Für Mia scheint die Antwort klar zu sein: Sie
spürt eine übermächtige Sehnsucht nach der Liebe ihrer Mutter Sandrine und will diese
unter allen Umständen retten. Eine fatale Abhängigkeit, aus der Mia sich erst am Ende
befreien kann. Man könnte fast sagen: So wie Sandrine süchtig ist nach Heroin, so ist Mia
süchtig nach Sandrine.
Es ist diese verzweifelte und selbstzerstörerische Liebe von Mia zu Sandrine, die den Kern
des Films ausmacht. Unser Ziel ist es, diese Mutter-Tochter-Beziehung so roh, authentisch
und so emotional wie möglich zu zeigen. PLATZSPITZBABY (OT) unterscheidet sich
jedoch von anderen „Drogenfilmen“, wie z.B. REQUIEM FOR A DREAM durch die
Umkehrung der Sichtweise. Wir erzählen nicht die Geschichte der Junkies, sondern die
Geschichte von deren vergessenen Kindern. Dabei oszilliert die Geschichte zwischen brutaler
Realität und poetischer Fantasiewelt. Eine Fantasiewelt, in die sich Mia immer wieder
rettet, um sich vor dem Horror des Alltags zu schützen. Mia erschafft sich dafür einen
imaginären Freund, der ihrer Liebe zur Musik entspringt: Buddy. Dass es ausgerechnet
eine Ikone aus den Fünfzigern ist, ist kein Zufall. Mias Vater, den sie nach der Trennung
der Eltern schmerzlich vermisst, ist ein Buddy-Holly-Fan und hat Mia mit dessen Musik
bekannt gemacht. Buddy ist somit nicht nur Mias Alter Ego, sondern zugleich auch eine
Verbindung zum abwesenden Vater. Verkörpert von einem realen Schauspieler wird Buddy
mit Mia interagieren wie eine normale Person, jedoch für die anderen Filmfiguren nicht
sichtbar sein. Ganz ähnlich wie es zum Beispiel mit Hobbes, dem Tiger im Comic «Calvin
and Hobbes», geschieht.

Ein weiteres charakteristisches Motiv von PLATZSPITZBABY ist der Kontrast: Der Kontrast
zwischen der heilen Außenwelt einer idyllischen Schweizer Provinzgemeinde in den 90er-
Jahren und der grimmigen, drogenverseuchten Innenwelt von Mias und Sandrines
Wohnung. Der Kontrast zwischen Buddys sauber-naiver Erscheinung und jener der
verwahrlosten Junkies aus Sandrines Freundeskreis. Es ist derselbe Kontrast, der damals
auch zwischen der offenen Drogenszene auf dem Platzspitz und der glitzernden Zürcher
Bahnhofstrasse herrschte. Ein Kontrast, der auch heute noch viele Leute verstört: Wie war
es möglich, dass mitten in der reichen und lieblichen Schweiz eine solche Hölle existierte?
Die visuelle Erzählweise ist dabei stets der Emotionalität verpflichtet. Die Kamera bleibt
nahe an den Charakteren, beinahe schon an ihren Gesichtern klebend. Mittels Close-Ups
werden kleinste Regungen einfangen, ganz ähnlich wie es z.B. im Film MOONLIGHT
geschieht. Zugleich wollen wir damit einen unmittelbaren Realismus einfangen, der nur
teilweise durch Mias Fantasie eine Überhöhung erfährt. Eine magische Realität
gewissermaßen, subtil, poetisch und berührend, wie z.B. im Film BEASTS OF THE
SOUTHERN WILD.

PLATZSPITZBABY ist ein character-driven Film mit einem hochemotionalen Thema. Wir
sind überzeugt, dass wir die Chance haben, mit dieser Geschichte das Publikum zu
packen, und aufzuwühlen. Denn eines ist klar: Obwohl es heute keine offene Drogenszene
mehr gibt, wie damals am Platzspitz oder beim Letten, so ist das Drogenproblem
keineswegs verschwunden, geschweige denn gelöst.
André Küttel (Autor) und Pierre Monnard (Regie)