Schattenstunde (Bundesstart)

Vorführungen:

  • Do, 27. Januar 2022 – Fr, 28. Januar 2022 um 20:45 Uhr
  • So, 30. Januar 2022 um 20:15 Uhr
  • Di, 1. Februar 2022 – Mi, 2. Februar 2022 um 20:30 Uhr
  • Fr, 4. Februar 2022 um 17:00 Uhr
  • So, 6. Februar 2022 um 17:00 Uhr
  • Mo, 7. Februar 2022 – Mi, 9. Februar 2022 um 17:00 Uhr

Cast:
Jochen Klepper – Christoph Kaiser
Johanna Klepper – Beate Krist
Renate Stein – Sarah Palarczyk
Adolf Eichmann – Dirk Waanders
Hans Karbe – Klaus Rodewald

Dem Film, der die letzten gemeinsamen Stunden der Familie Klepper erzählt, liegen Jochen Kleppers umfangreiche Tagebuchaufzeichnungen zugrunde. Die letzten Gespräche der Familie sind sensibel mit den diversen Tagebucheinträgen Jochen Kleppers verwebt. Die Bedrängnis und die gefühlte Enge, die jüdische Familien durch die Nationalsozialisten erfahren mussten, gibt Regisseur Benjamin Martins in dem Film deutlich an das Publikum weiter. Denn so wie auch das Leben der Kleppers immer mehr eingeschränkt wurde, wird in SCHATTENSTUNDE auch das Blickfeld der Kinozuschauer:innen eingeschränkt, indem der Film als Quadrat (1:1) auf der Leinwand zu sehen ist.

Synopsis
Jochen Klepper lebte als christlicher Schriftsteller, Journalist und Dichter mit seiner jüdischen Frau Johanna und seiner ebenfalls jüdischen Stieftochter Renate, zur Zeit des Nationalsozialismus in Berlin. Am 10. Dezember 1942 scheiterte die Ausreise von Frau und Stieftochter aus dem ehemaligen Deutschen Reich und die Deportation der weiblichen Familienmitglieder stand kurz bevor. Von Adolf Eichmann vor die Goebbelsche Alternative gestellt, Beruf oder Ehe, traf Jochen Klepper eine unerhörte Entscheidung. Eine Entscheidung, die mit ihm tausende Deutsche in Mischehe getroffen haben.

Jochen Klepper (1903-1942) war einer der bedeutendsten christlichen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Seine Texte und Gedichte sind in der deutschsprachigen, christlichen Literatur auch heute noch weit verbreitet. Insbesondere seine Liedtexte sind ein fester Bestandteil evangelischer und katholischer Gottesdienste. Nach seinem abgebrochenen Theologiestudium zog Jochen Klepper mit seiner Frau Johanna nach Berlin. Er verfasste diverse Romane und galt später als Pionier anspruchsvoller Hörfunkprogramme. Über zehn Jahre hinweg führte Jochen Klepper ausführlich Tagebuch. Mit dem Beginn seiner Zeit als Soldat im Dezember 1940 brechen die Tagebuchaufzeichnungen allerdings für ein knappes Jahr ab.

Als er im Oktober 1941 wegen seiner Ehe zu der Jüdin Johanna Klepper (ehem. Stein) als „wehrunwürdig“ entlassen wird, nimmt er die Arbeit an seinen Tagebüchern wieder auf. Jochen Klepper und seine Familie erkannten die Ausmaße der geplanten Vernichtung des europäischen Judentums leider zu spät. Ein Ausreisegesuch wird von Adolf Eichmann abgelehnt. Einzig seine älteste Stieftochter Brigitte konnte sich noch rechtzeitig ins Ausland retten. Für seine Frau Johanna und die jüngste Stieftochter stand die Deportation allerdings unmittelbar bevor, als die Zwangsscheidung aller noch bestehenden Mischehen beschlossen wurde.

Benjamin Martins, der Drehbuchautor und Regisseur von SCHATTENSTUNDE, befasste sich mehrere Jahre mit der Geschichte und mit den Tagebuchaufzeichnungen, die später im Brunnen Verlag erschienen.

Die Dialoge im Film hat er eng an das geschriebene Wort Jochen Kleppers angelehnt, die Sprache im Drehbuch dem Duktus der Originalschriften angepasst. Denn es war Benjamins Anliegen, dem Leben und Sterben Jochen Kleppers sensibel und ehrlich zu begegnen, um so den Menschen hinter der Geschichte gerecht zu werden. Die Zuschauer:innen bleiben somit nicht nur distanzierte Beobachter:innen einer biografischen Geschichte, sondern können an Jochen Kleppers tatsächlichen Worten und Gedanken (an)teilnehmen.