Vorführungen:

  • Do, 26. September 2019 – Fr, 27. September 2019 um 20:45 Uhr
  • So, 29. September 2019 um 20:45 Uhr
  • Mi, 2. Oktober 2019 um 20:45 Uhr
  • Fr, 4. Oktober 2019 – So, 6. Oktober 2019 um 20:30 Uhr

Elisa und Anthea gehören zu der ersten Generation, die mit dem Internet, digitalen Bildern und der Selbstdarstellung im Netz groß geworden ist. Wir beobachten sie, wie sie eine bizarre Freundschaft entwickeln, wie sie spielen, nach Abenteuern suchen und dabei Grenzen überschreiten. Aktiv an der Bilderflut teilzunehmen, die heute unseren Alltag bestimmt, ist für die Mädchen essentiell. Daher fließen ihre Handyvideos in unseren Film ein. Der Materialmix kreiert einen individuellen Stil ‒ subjektiv, voller Auslassungen und Perspektivwechsel, nah dran und ungeschliffen.


Nach der Trennung von Elisas Eltern, gerät das Leben der 15-jährigen aus den Fugen. Mit Mutter Anna muss sie aus dem gemeinsamen Einfamilienhaus am Stadtrand in eine Sozialwohnung mitten in Berlin-Neukölln ziehen. Ihr Körper reagiert auf den Stress mit Ohnmachtsanfällen. Während einer solcher Episode nach dem Schwimmunterricht, nehmen Ihre Mitschüler*innen Elisas Verletzlichkeit zum Anlass, sie zum Opfer in der Klasse zu machen. In diesem Moment tritt Anthea in ihr Leben. Sie ist schön, selbstbewusst und unerschrocken und holt Elisa in kürzester Zeit aus ihrer wehrlosen Starre heraus. Die beiden werden beste Freundinnen und entwickeln ein Spiel, in dem sie alles, was sie tun, mit den Kameras ihrer Handys festhalten.

Elisa nutzt die Nachtschichten ihrer Mutter, um mit Anthea und ihrem älteren Bruder Pierre durch die Clubs zu ziehen und erlebt mit ihrer neuen Freundin einen rauschhaften Sommer. Anthea beschützt sie, gibt ihr Selbstvertrauen und Halt. Beide Mädchen füllen füreinander die Leerstellen, die durch die Trennung von Elisas Eltern und die mangelnde Zuneigung in Antheas Familie entstanden sind. Doch Anthea gibt immer den Takt vor.

Schon bald kommen sie auf die Idee, die Kameras umzudrehen und aus Rache heimlich diejenigen Mitschüler*innen zu filmen, die Elisa auf ähnliche Weise fertiggemacht haben. Um vor ihr nicht feige zu wirken, sammelt und verschickt Elisa ein kompromittierendes Video nach dem nächsten. Bald schon brauchen sie dieses Spiel, um ihren Zusammenhalt aufrecht zu erhalten und aus ihrer innigen Freundschaft entwickelt sich eine zerstörerische Dynamik, die bedrohlich wird für alle, die den beiden in die Quere kommen.

Regiekommentar

“In “Schwimmen” erleben Elisa und Anthea die erste wirklich bedeutende Freundschaft – ihre erste große Liebe. Für mich als Autorin und Regisseurin geht es um noch viel mehr als das. Ich setze mich intensiv und leidenschaftlich damit auseinander wie Kinder und Jugendliche heute aufwachsen. Ich beobachte, dass sie in unserer sich immer schneller drehenden Welt immer schneller erwachsen werden. Sie sind unabhängig, gebildet und weltgewandt – sie sind aber auch überfordert und orientierungslos. Elisa und Anthea gehören zu der ersten Generation, die mit dem Internet, digitalen Bildern und der Selbstdarstellung im Netz groß geworden ist. Aktiv an der Bilderflut teilzunehmen, die im Netz verbreitet wird, ist ein wichtiger Bestandteil im Leben der Mädchen, daher lassen wir ihre Handyvideos in das Material unseres Films einfließen.

Wir kreieren so einen sehr subjektiven Stil, voller Auslassungen und Perspektivwechsel – nah dran und ungeschliffen. Elisa und Anthea leben wie viele Jugendliche in ihrem Alter in einer absoluten Parallelwelt, in der eigene Regeln, Werte und eine eigene Skala von Emotionen existieren. In ihrem Alter können die kleinsten Dinge eine riesengroße Bedeutung bekommen und was in der Welt der Erwachsenen gilt, gilt hier noch lange nicht. Die Probleme in den Familien wie Leistungsdruck im Job, Entfremdung den Kindern gegenüber oder Trennungen rücken dadurch komplett in den Hintergrund. In unserem Film gehen Elisa und Anthea so weit, ein eigenes System der Selbstjustiz zu erfinden. Sie tun ihren Mitschüler*innen schreckliche Dinge an, doch in ihrer Wahrnehmung ist das vollkommen gerechtfertigt. Sie erfinden ihre eigenen Werte, geben einander Halt und Orientierung.

Diese eigenartige und einzigartige Wahrnehmung möchte ich für den Zuschauer erfahrbar machen (oder wieder in Erinnerung rufen), indem ich die Geschichte der beiden auf Augenhöhe und nah am echten Leben erzähle.”

Pressestimmen

  • Spiegel Online: “Regisseurin Loose (…) schildert diese Geschichte einer teuflischen Verführerin in kalten, blaustichigen Bildern – und mit einer Erbarmungslosigkeit, die man sonst vergebens im deutschen Kino sucht.”
  • achtung berlin – new berlin film award: “Nachdenkliche und realitätsnahe Betrachtung einer Generation, die durch die ständige Bilderflut im Netz neuen Herausforderungen gegenübersteht.”
  • Film-Rezensionen: “Luzie Loose legt ein starkes Spielfilmdebüt vor, das es versteht, Dinge zu porträtieren, die die Jugend bewegt. (…) Ein toller Beitrag für den deutschen Film.”
  • Kinder-Jugend-Filmportal: “Ein ungemein authentischer Debütfilm, in dem aus einem Mobbing-Opfer eine Täterin wird. Vor allem aber trägt sich der Film durch die beiden Hauptdarstellerinnen, insbesondere durch Stephanie Amarell, die im Alter von elf Jahren von Michael Haneke für seinen Film „Das weiße Band“ entdeckt worden ist. Ihr gelingt es, Elisa so authentisch zu spielen, als wäre sie es selbst.”