Stranger than Fiction – 24. Dokumentarfilmfestival: Monobloc

  • DE 2021
  • 95 Min
  • Regie: Hauke Wendler
  • FSK: keine Angabe
  • Originalfassung mit deutschen Untertiteln (OmU)
  • offizielle Filmseite

Vorführungen:

  • Di, 1. Februar 2022 um 17:00 Uhr

STF – Alle Termine im Überblick:

29.1. 19h We are all Detroit – Vom Bleiben und Verschwinden

30.1. Matinee 13h La Cen

30.1. 17h Garderie Nocturne

31.1. 19h The good Soldiers (aka Silence Breakers)

1.2. 17h Monobloc

3.2. 17h The first 54 years

5.2. 17h Bloody nose, empty pockets


Filmkritik:

Das Dokumentarfilmfest STRANGER THAN FICTION präsentiert einmal im Jahr neue nationale und internationale Dokumentarfilme in NRW, die einen Querschnitt aus dem heutigen Dokumentarfilmschaffen bieten. Präsentiert werden dabei vor allem Produktionen, die den Rahmen und die Form des konventionellen Dokumentarfilms sprengen und die eine neue oder ungewöhnliche Vermittlung ihrer Inhalte bieten. Einige dieser Filme haben große Aufmerksamkeit auf nationalen und internationalen Festivals erhalten, andere sind inhaltlich wie auch von ihrem Produktionsverlauf regional verortet. Die meisten dieser Dokumentarfilme werden in Deutschland keine gängige Kinoauswertung erhalten, die Präsentation im Festival wird häufig nicht nur die erste, sondern auch die einzige Vorführung in Dortmund und NRW sein.
Neben der seit Beginn bestehenden Sektion für den „Dokumentarfilm International“ hat sich seit einigen Jahren als zweite Sektion der regionale Schwerpunkt etablieren lassen. Es uns gelungen, diese Sektion „Dokumentarfilme aus NRW“ weiter auszubauen. Es wurden vermehrt Premieren von Dokumentarfilmen präsentiert, die thematisch eng mit Nordrhein-Westfalen verbunden sind und dann sowohl in Dortmund als auch in anderen NRW-Städten zur Vorführung gebracht werden. Dazu gibt es verstärkt die Möglichkeit zum direkten Gespräch mit den Filmemachern, die aufgrund der räumlichen Nähe zu den Aufführungsorten bei den Vorstellungen zu Gast sein werden.

Auf den Spuren des Monobloc ist das Team um Regisseur Hauke Wendler um die halbe Welt gereist – von von Europa über Nordamerika und die Slums in Brasilien bis in die Megastädte Indiens und die Savanne Ugandas. Wendler hat erstaunliche Geschichten entdeckt und bemerkenswerte Menschen getroffen. Was auf der Strecke geblieben ist, ist ein eurozentrisches Denken zugunsten eines Blicks, der durch eine überraschend vielfältig eingesetzte Sitzgelegenheit die Welt mit anderen Augen sieht. Ein spannend und unterhaltsam umgesetzter Beitrag zum Thema Globalisierung, nicht zuletzt dank der wunderbaren Musik von Taco van Hettinga.

Hauke Wendler über seinen Film

2013 sah ich ein Foto in der Zeitung: Da standen Dutzende dieser einfachen, weißen Plastikstühle in einer Wüste aufgereiht, inmitten der untergehenden Sonne. Ich dachte mir: Was für ein großartiges Bild – und was für eine unglaubliche Ansammlung von Plastikschrott!

Am Anfang war der Monobloc-Plastikstuhl für mich ein lächerliches Objekt: unambitioniert, nicht besonders schön, ökologisch bedenklich. Über die Jahre und die vielen Begegnungen mit Menschen, deren Leben eng mit diesem billigen Stuhl verknüpft ist, sind bei mir ganz andere Fragen entstanden. Das war die eigentliche Überraschung: Je weiter wir uns von zu Hause entfernten, um dem Monobloc hinterher zu spüren, umso mehr habe ich über unsere Welt und ihre Ordnung gelernt – und auch über unser Leben in Deutschland.

In der Corona-Krise fällt mir wieder auf, wie sehr wir im Westen um uns selbst und unsere Ängste kreisen. „Monobloc“ ist ein wilder Ritt, einmal um den halben Globus, der sagt: Schaut her, das ist die Welt da draußen und sie tickt anders als Ihr denkt. Ganz anders.