Stranger than Fiction – 24. Dokumentarfilmfestival: The good Soldier aka Silence Breakers

  • mit Filmgästen und Gespräch
  • ISR/FR/DE 2021
  • 88 Min
  • Regie: Silvina Landsmann
  • FSK: keine Angabe
  • Originalfassung mit deutschen Untertiteln (OmU)

Vorführungen:

  • Mo, 31. Januar 2022 um 19:00 Uhr

 

 

 

 

STF – Alle Termine im Überblick:

29.1. 19h We are all Detroit – Vom Bleiben und Verschwinden

30.1. Matinee 13h La Cen

30.1. 17h Garderie Nocturne

31.1. 19h The good Soldiers (aka Silence Breakers)

1.2. 17h Monobloc

3.2. 17h The first 54 years

5.2. 17h Bloody nose, empty pockets


Filmkritik:

Das Dokumentarfilmfest STRANGER THAN FICTION präsentiert einmal im Jahr neue nationale und internationale Dokumentarfilme in NRW, die einen Querschnitt aus dem heutigen Dokumentarfilmschaffen bieten. Präsentiert werden dabei vor allem Produktionen, die den Rahmen und die Form des konventionellen Dokumentarfilms sprengen und die eine neue oder ungewöhnliche Vermittlung ihrer Inhalte bieten. Einige dieser Filme haben große Aufmerksamkeit auf nationalen und internationalen Festivals erhalten, andere sind inhaltlich wie auch von ihrem Produktionsverlauf regional verortet. Die meisten dieser Dokumentarfilme werden in Deutschland keine gängige Kinoauswertung erhalten, die Präsentation im Festival wird häufig nicht nur die erste, sondern auch die einzige Vorführung in Dortmund und NRW sein.
Neben der seit Beginn bestehenden Sektion für den „Dokumentarfilm International“ hat sich seit einigen Jahren als zweite Sektion der regionale Schwerpunkt etablieren lassen. Es ist uns gelungen, diese Sektion „Dokumentarfilme aus NRW“ weiter auszubauen. Es wurden vermehrt Premieren von Dokumentarfilmen präsentiert, die thematisch eng mit Nordrhein-Westfalen verbunden sind und dann sowohl in Dortmund als auch in anderen NRW-Städten zur Vorführung gebracht werden. Dazu gibt es verstärkt die Möglichkeit zum direkten Gespräch mit den Filmemachern, die aufgrund der räumlichen Nähe zu den Aufführungsorten bei den Vorstellungen zu Gast sein werden.

Die NGO „Breaking the Silence” – kurz BtS – besteht aus ehemaligen israelischen Soldaten und Soldatinnen, die durch das Sammeln persönlicher Erinnerungsberichte auf den militärischen Alltag und den Umgang mit der Bevölkerung in den besetzten Gebieten aufmerksam machen wollen. Die Regisseurin Silvina Landsmann ermöglicht mit ihrem Film einen Blick hinter die Kulissen einer umstrittenen Gruppierung mit einem kontrovers diskutierten Ansatz inmitten eines über 70 Jahre schwelenden Konflikts.

Was macht einen guten Soldaten aus? Die Fähigkeit, ohne Skrupel Befehle auszuführen, oder die Berücksichtigung von höheren moralischen Zielen im Umgang mit dem Feind? Letzteres war vielen Mitgliedern von BtS erst nach ihrer aktiven Militärzeit möglich. In ihrer Arbeit setzen sie sich mit Einsätzen und Handlungen auseinander, die ihnen heute falsch vorkommen. Mit Videos, Vorträgen und Stadtführungen wenden sie sich an die israelische Bevölkerung und an ausländische Medien. Auf den Straßen Hebrons kommt es immer wieder zum Zusammenstoß zwischen BtS, israelischen Siedlern und dem Militär. Auch auf politischer Ebene wird die Organisation scharf kritisiert. Ihr wird vorgeworfen, Geschichten zu erfinden, dem Ruf Israels zu schaden und dem Antisemitismus in die Hände zu spielen. Mit filmisch nüchternen Bildern beobachtet Landsmann, wie die Gruppe äußerlich und innerlich um ihre Stimme kämpft.

(Kim Busch DOK Leipzig)