Stummfilm mit Livevertonung: Die freudlose Gasse

Vorführungen:

  • Mo, 29. April 2019 um 19:00 Uhr

DIE FREUDLOSE GASSE

Live-Musik: INS FLEISCH (2013-15) von InterZone Perceptible

InterZone Perceptible ist seit 19 Jahren ein Begriff in Sachen Stummfilmvertonung auf höchstem Niveau. Mit elektrifiziertem Akkordeon, E-Bass, Live-Elektronik und Zuspielungen holen die beiden an der Folkwang Hochschule Essen studierten Musiker Sven Hermann und Matthias Hettmer den Stummfilm der 10er/20er-Jahre ins 21. Jahrhundert. International tätig spielten sie auf Einladung des Goethe-Instituts in Süd-Korea, Finnland und in den USA, auf diversen Stummfilmfestivals im europäischen Raum und platzieren Stummfilmreihen in NRW. Das meist düstere Repertoire besteht mittlerweile aus 30 Filmen und jeder verlangt nach einer eigenen „industrial soundart“ Klanglandschaft, die keine äußeren Geschehnisse illustriert, sondern die inneren Welten der Film-Figuren ausleuchtet. Ein akribisches Sounddesign erzeugt die Illusion eines aus der Leinwand heraus wachsenden Klanges. InterZone perceptible sind bereits mehrfach im sweetSixteen-Kino aufgetreten.

Musik gewordenes mutierendes Zellgewebe, welches Grenzen zwischen Organischem und Synthetischem auflöst, wuchert zu etwas Neuem. FLEISCH schmilzt, BLUT kocht, HAUT tropft … der Fluss der elegischen Klangreise für elektrifiziertes Akkordeon, E-Bass, Live-Elektronik, Stimme, Zuspielungen und Keyboards ist ein ständiges Sich-Ergießen … auf das Fleisch … ins Fleisch … unter das Fleisch … hin zum nächsten Abgrund, den der Film in seinem Realismus der frühen 1920iger Jahre beschreibt … Stationen dieser Reise sind liebevolle Danksagungen an Richard Wright, Roger-Waters-Inhale-Screams-Streifungen, David-Gilmour-Grüsse, Pink Floyd-Verbeugungen – durch Euch haben wir gelernt, Materialien und Charaktere zu vereinen … morphing orchestras … die Welt bewegt sich … sachlich … real … DIE FREUDLOSE GASSE wendet sich von expressionistischer Metaphorik ab und der von Inflation gezeichneten Nachkriegsrealität zu. Georg Wilhelm Pabsts Beitrag – als führender Regisseur des deutschen Filmrealismus – führt den Zuschauer in die von Armut geprägte Melchiorgasse ins Wien des Jahres 1921. Zwei wohlhabende Menschen haben alle Fäden in der Hand: Der Fleischer Josef Geiringer und Frau Greifer, die offiziell einen Modesalon, aber eigentlich ein Bordell betreibt. Ihre Nutten akquiriert sie, indem sie Frauen finanziell abhängig und dadurch erpressbar macht. Dies ist nur eine Ebene, auf der sich der Zerfall der Gesellschaft vollzieht. Aktienbetrügereien bereichern die einen und lassen andere in Armut versinken, Morde geschehen, Eifersucht quält. Nur eine Person hat Aussicht auf ein besseres Leben.