The Princess (Bundesstart)

  • Vorführungen:

    • Do, 30. Juni 2022 um 17:00 Uhr

    FILMKRITIK:

    Erst vor wenigen Monaten schlüpfte Kristen Stewart in die Rolle von Lady Di, auf Netflix kann man sich „The Crown“ anschauen, wo Elizabeth Debicki die damalige Princess of Wales spielt. Etliche Dokumentationen über Diana sind ebenfalls schon gedreht worden, auf Youtube könnte man Stunden damit verbringen, Clips von der jung gestorbenen Königin der Herzen anzuschauen.

    Wenn man also gut 25 Jahre nach dem Tod von Diana noch einen Dokumentarfilm über Lady Diana dreht, dann sollte man einen neuen Ansatz haben, dann sollte man versuchen, den unzähligen Filmen und Büchern etwas hinzuzufügen. Der stilistische Ansatz, den der britische Filmemacher Ed Perkins in „The Princess“ wählt, ist in jedem Fall interessant: Er erzählt vom Leben Dianas ausschließlich durch Originalaufnahmen, die von dem Moment gemacht wurden, als aus der unbescholtenen Kindergärtnerin Diana Spencer die zukünftige Königin des Vereinigten Königreichs wurde, bis zu ihrer Beerdigung im Sommer 1997.

    Manche der verwendeten Aufnahmen sind bekannt, vor allem Ausschnitte aus dem geradezu legendären BBC-Interview, in dem Diana das Ende ihrer Ehe erklärte, doch viele sind neu und höchstens Diana-Experten bekannt. Diese Bilder montiert Perkins zu einer scheinbar objektiven Collage, die jedoch von Anfang an einen ominösen Unterton hat. Denn natürlich weiß auch der in Sachen Diana unbedarfteste Zuschauer, dass dieses Märchen alles andere als ein Happy End haben wird. Szenen von der Hochzeit Dianas und Charles, als die gerade 20jährige Diana vor den Augen der Welt ihren Prinzen heiratete, wirken im Nachhinein nicht als die Märchenhochzeit, als die sie inszeniert wurde, sondern als Anfang vom Ende. Denn schon hier ist neben Diana und Charles das präsent, was ihre Ehe begleiten und prägen wird (und diesen Film erst möglich gemacht hat): die Presse.

    Immer wieder zeigt Perkins die Fotografen, die das Paar auf Schritt und Tritt verfolgen, lässt auf der Tonspur die Objektive wie Maschinengewehrfeuer klacken, zeigt, wie Diana versucht, den Objektiven zu entgehen und lässt auch dank einer überaus suggestiven, emotionalisierenden Tonspur keinen Zweifel daran, welche Folgen all das hatte. Neben Geräuschen und Musik sind als drittes Element Kommentare zu hören, aus Nachrichtensendern, Talk Shows der jeweiligen Zeit, aber auch von gewöhnlichen Passanten, die nach ihrer Meinung zu Diana gefragt wurden. Und eine Meinung hatte praktisch jeder Bürger Großbritanniens zu der Frau, die einerseits überfordert von dem Leben war, in das sie heiratete, später aber auch zu einer gewieften Manipulatorin wurde, die die Medien für ihre eigenen Zwecke verwendete, gerne auch um ihren bald Ex-Mann zu verletzen.

    Zumindest im Ansatz funktioniert „The Princess“ als Medienkritik, die zeigt, welche Auswirkungen der Voyeurismus von Fotografen, aber auch Publikum haben kann. Dass natürlich auch Ed Perkins‘ Dokumentarfilm ein Produkt dieses Voyeurismus ist, auch wenn er vorgibt, eine kritische Haltung einzunehmen, sollte dabei jedoch nicht vergessen werden.

    Michael Meyns
    (Programmkino.de)