Vorführungen:

  • Do, 1. Juli 2021 – So, 4. Juli 2021 um 21:00 Uhr
  • Di, 6. Juli 2021 – Mi, 7. Juli 2021 um 19:00 Uhr
  • Sa, 10. Juli 2021 – So, 11. Juli 2021 um 17:00 Uhr

Elli ist ein Android und lebt mit einem Mann zusammen, den sie ihren Vater nennt. Gemeinsam lassen sie sich durch den Sommer treiben. Tagsüber schwimmen sie im Pool und nachts bringt er sie ins Bett. Sie teilt seine Erinnerungen und alles andere, was er ihr einprogrammiert, damit sie sich daran erinnert. Erinnerungen, die ihm alles, aber ihr nichts bedeuten. Doch eines Nachts macht sie sich auf den Weg in den Wald und folgt einem verklingenden Echo. Die Geschichte einer Maschine und der Geister, die wir alle in uns tragen.

Regiekommentar: Ein Android in der Gestalt eines zehnjährigen Mädchens schaut in die Welt und die Welt schaut zurück. Dabei ist es ihr Ihr völlig egal, für welchen Zweck sie gebaut wurde, ob sie als Toaster im Eck steht oder als Begleiterin dient. Sie ist ein Objekt. Und dieses Objekt will kein Mensch werden, es will nur das, was man ihm einprogrammiert. Es folgt externen Reizen und sucht nach vordefinierten Mustern. Alles andere scheint nicht wichtig zu sein. Es benötigt keine Bedeutung für sein Sein. Es ist einfach. Diesen Wesen ist eine Zukunftsidee, und in diesem Sinne mehr Fabelgestalt als Abbild einer technischen Realität. Es ist Spiegel unserer innersten Sehnsüchte, auch der verborgensten. In ihm können die unaushaltbarsten Ambiguitäten vereint werden und das werden sie auch. Jedes Gespräch mit ihm ist im Grunde ein Monolog. Damit stößt es uns auf die Gren-zen unserer Realität, auf unsere grundlegen-de Isolation, unsere eigene Virtualität. Dieses Wesen ist bloß ein Container unserer Erinnerungen und Vorstellungen, die uns alles und ihm nichts bedeuten.

Die Überlagerung von Erinnerungen und Vorstellungen ist ein Thema, das mich schon in meinem letzten Film begleitet hat – Erinnerung als das sinn- und identitätsstiftende Narrativ, ohne das wir im bedeutungslosen Chaos versinken würden. Erinnerung als Programmierung, Narration als die Grundlage unseres menschlichen Daseins. Alles hat einen Anfang und ein Ende- der Mythos der Selbst-Werdung, der ja auch das Kino dominiert.

Demgegenüber steht die prinzipielle Un-endlichkeit einer maschinellen Existenz, mit ihrer nicht gleich zu erfassenden Narration. Die Möglichkeit einer Ewigkeit erschreckt mich einigermaßen. Ich finde sie schwer vorstellbar und kann sie eigentlich nur annähernd erfassen, wenn ich sie in ein “Jetzt” und “Jetzt” und “Jetzt” unterteile – wenn man ein Wort so lange wiederholt, bis es seine Bedeutung verliert und man sich darin verirrt hat. Sich verirren, sich verlieren wie in einer merkwürdigen Reverie, in der sich Kausalitäten auflösen dürfen, die einen in Abgründe zieht und unerklärbar bleibt. Das ist ein Potential des Kinos, das mich interessiert – eine Erfahrung zu gestalten, die man sonst vielleicht nur im Traum macht, mit all seinen Widersprüchen, Leerstellen und dunklen Echos. Ich bin fasziniert von dem was hinter unserer scheinbaren Ordnung steht, die letztlich ja eine menschliche Erfindung ist, hinter dieser fiktiven Struktur, ohne die wir es vielleicht nur schwer aushalten WÜRden. Das Wesen in diesem Film kann es aushalten.

Es wurde nicht geboren, fragt nicht über eine Welt vor dieser Welt, braucht keinen Anfang und kein Ende. Und alle äußeren Zeichen, die wir in dieses Wesen lesen – Geschlecht, Alter, Affektion und Identität – sind arbiträr und flüchtig.THE TROUBLE WITH BEING BORN ist kein Film über eine künstliche Intelligenz, sondern über ein Gefäß – ein Echo, ein verblassendes Flackern von Bedeutungen und Aufladungen – und über die Menschen, die sich in den Verschränkungen ihrer Erinnerungen zu verlaufen scheinen und ohne
es zu ahnen zu den Geistern ihrer eigenen Geschichte geworden sind. Ich vermute, es sind die Geister, die wir schon immer gewesen sind.