Zeiten des Umbruchs [im ROXY Lichtspielhaus] (Bundesstart)

Vorführungen:

  • Mo, 28. November 2022 – Mi, 30. November 2022 um 19:30 Uhr
  • Do, 24. November 2022 – So, 27. November 2022 um 19:30 Uhr
  • Do, 1. Dezember 2022 – Mi, 7. Dezember 2022 um 17:00 Uhr

Darsteller*innen: Anne Hathaway, Jeremy Strong, Banks Repeta


Der Amerikanische Traum ist schon lange ausgeträumt.

„Die Karten sind gezinkt“, sagt der von Anthony Hopkins gespielte Großvater einer jüdischen Einwandererfamilie einmal und bringt damit das zentrale Dilemma des Films auf den Punkt. James Grays autobiographisch gefärbter „Armageddon Time“ spielt im New Yorker Stadtteil Queens während des Spätsommers 1980. Es ist der Beginn des Reagan-Jahrzehnts, das Amerika und insbesondere New York einschneidend verändern wird – allerdings nicht unbedingt zum Positiven. Der bisher persönlichste Film des „Ad Astra“-Regisseurs beginnt dabei erstaunlich unscheinbar, fast banal wirken die Bilder einer vermeintlich heilen Familie.

Doch nach und nach erhöht James Gray subtil die Fallhöhe, wenn er anhand zweier Schulfreunde – der eine weiß, der andere schwarz – von Vorurteilen, Rassismus und den meist fruchtlosen Versuchen, sich im Land der angeblich unbegrenzten Möglichkeiten unabhängig von Klasse und Rasse zu verwirklichen, erzählt. Denn das ist entgegen der offiziellen Lesart ein Ding der Unmöglichkeit, wenn man nicht zufällig über die richtigen Beziehungen verfügt…

New York, 1980. Für Paul Graff beginnt das sechste Schuljahr auf einer Schule in einem der wohlhabenderen Viertel von Queens. Dort trifft er auf den sitzengebliebenen Jonathan Davis, den einzigen Schwarzen in der Klasse, der allein mit seiner bettlägerigen Großmutter lebt. Pauls Familie wirkt da im Vergleich wie ein sicherer Hafen. Seine Mutter Esther ist im Elternverein tätig und Vater Irving ist zwar streng, hat aber trotzdem nur das Beste für seinen Sohn im Sinn. Und dann ist da noch der Großvater Aaron, der nicht nur Pauls Träume von einem Leben als Künstler ernstnimmt, sondern auch versucht, den Enkel zu Werten und Moral anzuhalten. Doch in einer von selbstverständlichem Rassismus und beiläufigen Vorurteilen geprägten Welt ist das leichter gesagt als getan…

Nach einem Ausflug in den Amazonas-Dschungel („Die versunkene Stadt Z“) sowie einem Griff nach den Sternen („Ad Astra“) kehrt James Gray wieder in die Welt zurück, die er am besten kennt: New York, genauer gesagt die jenseits des finanziellen und kulturellen Zentrums Manhattans gelegenen Stadtteile, in denen sich Einwanderer jeglicher Couleur eine Nische gebaut haben und versuchen, ihren ganz persönlichen amerikanischen Traum zu leben. Alle Filme, die Gray in New York gedreht hat, von seinem Debüt „Little Odessa“ über „Two Lovers“ bis hin zu „Helden der Nacht“, sind zumindest lose autobiographisch – und das gilt noch mehr für Grays achten Film „Armageddon Time“. Der junge Protagonist Paul Graff wächst zwar in Queens und nicht wie Gray in Flushing auf, aber auch der 1969 geborene Regisseur kam 1980 in die sechste Klasse, auch seine Familie stammt von ukrainischen Juden ab, die Anfang des 20. Jahrhunderts vor antisemitischen Pogromen in die neue Welt emigrierten und ihren Namen vom allzu jüdisch klingenden Grayevsky zum unverfänglicheren Gray kürzten und sich auch sonst soweit wie möglich anpassten, um ihren Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen.

Michael Meyns (Programmkino.de)